Freitag, 31. August 2012

Hanoi – die pulsierende Hauptstadt


Wir stiegen in ein Taxi und sagten dem Fahrer, dass wir an den nationalen Flughafen müssten, nicht an den internationalen Flughafen, er nickte nur und meinte jaja. Nach 45 Minuten Fahrzeit erreichten wir den Flughafen, wir gingen ins Terminal hinein und wo waren wir? Natürlich am internationalen Flughafen, es ist echt in keinem Land mit dem nicht richtig verstehen so schlimm gewesen wie in Vietnam. Wir fragten uns durch, wo denn jetzt die Inlandsflüge abgehen würden, wir mussten dann nochmal 10 Minuten quer über das Flughafengelände  laufen, dann erreichten wir den richtigen Teil des Flughafens. 

1 ½ Stunden später saßen wir im Flieger und verließen bei sehr bewölktem Himmel und leichtem Regen Saigon. Während des 2 Stunden Fluges, ließen wir die richtig grauen Wolken hinter uns, wurden aber zwischenzeitlich schon etwas durchgeschüttelt. Als wir in Hanoi landeten war es wieder nur bewölkt.
Wir liefen hinaus aus dem Flughafengebäude und suchten uns einen Bus, der uns in die Innenstadt bringen sollte. Es war schnell einer gefunden, dummerweise waren wir die ersten Fahrgäste, hatten wohl irgendwie einen doofe Uhrzeit erwischt. So saßen wir in diesem Bus und sollten erst mal wieder Geduld beweisen, denn für 2 Gäste fährt der Bus natürlich nicht in die Stadt. Wir warteten und warteten, der Bus füllte sich sehr langsam, nachdem wir dann ungefähr schon 45 Minuten wartend im Bus verbrachten, ging Lukas mal nachfragen. Der Fahrer meinte noch 10 Minuten dann geht’s los, aus den 10 Minuten wurden dann natürlich wieder 30 Minuten, doch dann war endlich der Bus gut gefüllt und wir konnten endlich den Flughafen verlassen. 

Auf den Straßen sah man, dass der Himmel in der Ferne sich immer mehr schwarz färbte. Wir wurden in der Stadt an einer Haltestelle rausgeworfen, hätte uns der Fahrer bis ans Hotel gefahren, wäre der doppelte Fahrpreis fällig gewesen, das fanden wir dann doch etwas viel. An der Haltestelle fanden wir schnell ein Taxi, dieses sollte uns bis ans Hotel bringen, die Adresse hatten wir sicherheitshalber vorher schon fotografiert, so dass der Fahrer sie ja nur ablesen musste. Es fing an zu regnen und das Taxi drückte sich durch die verstopften Gassen, der Fahrer sprach wieder kaum ein Wort Englisch und hielt an verschiedenen Stellen in der Altstadt an, wo er uns irgendetwas erzählte und wollte, dass wir aussteigen, da wir ja angeblich das Hotel erreicht hätten. Doch nirgends war der Hotelname zu erkennen und wir zeigten wieder das Foto und er fuhr weiter, doch leider ziemlich planlos. Wir schalteten das Navi vom Handy ein, um uns wenigstens etwas orientieren zu können, so versuchten wir den Fahrer durch die engen, kleinen Gassen zu lotsen. Er hielt dann an und deutete uns eine kleine Seitengasse, da sollte das Hotel sein, wir stiegen aus, setzten die Rucksäcke auf und es begann genau in diesem Moment wie aus Kübeln zu schütten.

Wir suchten uns einen Unterschlupf, unter einer Markise eines Ladens der geschlossen war. So einen Regen haben wir echt schon ewig nicht mehr gesehen, der Wind peitschte durchs Wasser, Blitze zuckten am Himmel und in der Ferne hörte man es donnern. Wir wollten das Schlimmste unter der Markise erst mal aussitzen, so beobachteten wir,  wie sich die Kanalabläufe, sehr schnell mit angeschwemmten Müll füllten und dadurch überliefen, das Wasser suchte sich oft seinen Weg in kleine Läden auf der anderen Straßenseite, wir standen glücklicherweise auf der höheren Seite. 

Auf einmal gab es  einen riesen Schlag und in dem Restaurant gegenüber war die Markise unter der Last des Wassers komplett zusammengebrochen, wir standen mit 2 Vietnamesen unter unserem Dach, diese fragten wir dann nochmal nach unserem Hotel, denn bei diesem Wetter hat man ja keine Lust planlos durch die Stadt zu irren, nur auf der Suche nach dem Hotel. Sie deuteten uns die Richtung an und als der Regen etwas nachließ machten wir uns auf die Suche, wir mussten noch ein weiteres Mal nachfragen doch dann fanden wir es. 

Total durchnässt betraten wir das Hotel, bekamen aber ziemlich schnell unsere Zimmerschlüssel, das Zimmer im 6. Stock und kein Aufzug. So schlängelten wir uns die endlosen Stufen hinauf, das Treppenhaus erinnerte an Paris, da es auch hier wieder nur 2 Zimmer pro Etage gab. 

Im Zimmer entdeckten wir kurz nach dem einchecken Schimmel an der Wand, neben dem Schrank war alles voll, das ging natürlich gar nicht, also wieder an die Rezeption und schön beschwert. Der Mann dort erzählte dann irgendwas davon, dass er es besprühen lassen würde, ja kann er ja machen, aber wir würden unter gar keinen Umständen in so einem Zimmer schlafen. Nach einigem hin und her bekamen wir dann ein anderes Zimmer, auch im 6 Stock aber ohne Schimmel, na geht doch, so was hatten wir auch noch nicht erlebt.  Ansonsten hatten wir ein kleines Fenster zu einem Innenschacht wo es ständig nach Essen roch, außerdem wohnte wohl der Eigentümer mit seiner Familie auf dem Dach, man hörte jeden Schritt und an ausschlafen war mal wieder nicht zu denken.

Wir nutzten eine kurze Regenpause um etwas Futtern zu gehen, das Ganze gestaltete sich etwas schwierig, da viele Straßen komplett überschwemmt waren und wir keine Lust hatten durch das Waden hohe braune Wasser zu laufen. Die Schuhe waren zwar eh klitschnass und man schwamm in ihnen, aber dadurch wollten wir dann doch nicht, so besuchten wir ein Restaurant nicht weit vom Hotel. Hier testeten wir dann das Hanoi Bier, war ganz lecker und nach dem Essen ging es wieder ins Hotel, kaum im Eingang fing es wieder heftig an zu schütten. 

Das Wetter war am nächsten Tag war nicht wirklich besser, natürlich nutzten wir die Regenpausen um etwas durch die Stadt zu laufen, doch man hatte nie wirklich lange Zeit und durch den Regen war es auch noch schwüler als eh schon, wir schwitzten wie sonst was. Wir besuchten einen Markt, auf diesem ging es sehr gesittet zu, kein Vergleich zu dem in Saigon. Außerdem waren wir in einer kleinen Tempelanlage, die sich direkt auf dem Hoan Kiem See befindet. In diesem war eine riesen Schildkröte ausgestellt, Tiere in dieser Größe sollen sich immer noch im See befinden, aber werden nur ganz selten gesichtet. 

Auf Grund des schlechten Wetters, es wurden sogar komplette Bäume in der Stadt entwurzelt und diese blockierten dann die Straßen, wurde uns klar, dass wir das Hotel wechseln sollten, da man doch einige Zeit dort verbrachte. Dieses hier war sehr einfach, dafür aber günstig, doch durch den Zimmerwechsel hatten wir kein Doppelbett mehr und sowieso nur 2 Nächte gebucht, so stand für den nächsten Morgen der Umzug in ein besseres Hotel an. 

Das neue Hotel lag etwas zentraler zum See, doch leider in einer Straße die aus einer kompletten Baustelle bestand, wirklich überall wurde gebohrt, gehämmert, geschweißt oder gesägt, nicht sehr erholsam, aber das Zimmer an sich war komfortabler. 

Wir waren wirklich noch in keiner Stadt, wo man so Angst um seine Füße hatte, die Straßen sehr eng und überfüllt, auf den Bürgersteigen parkt man die Roller und die Fußgänger laufen dann auf den Straßen. Hier schiebt sich ein Auto nach dem anderen an den tausend Rollern vorbei, zwischendrin Händler mit Fahrrädern oder Stangen auf dem Rücken und dann wir, die Fußgänger. Es wird in einer Tour gehupt, gedrängelt und geschoben, einfach lästig und so ein Lärm.

Wir mieteten uns einen Cyclo Fahrer für eine Stunde und ließen uns gemütlich durch das Gewusel fahren. Man sah die Einteilung der Straßen hier deutlich, in einigen gibt es nur  Baumwolle zu kaufen, die ganze Straße lang, dazwischen gibt es dann nur einige Restaurants oder Hotels, dann kommt eine da gibt es nur Kleidung oder nur Schuhe, religiöse Gegenstände oder Blechwaren wie Aluminium.

Eigentlich wollten wir nur 2 oder 3 Tage in Hanoi verbringen und dann eine Tour in die bekannte Ha Long Bucht machen, sogar mit ein oder zwei Übernachtungen auf dem Boot waren geplant, doch selbst im Reisebüro riet uns die Verkäuferin auf Grund der Wetterlage ab. Da der ganze Spaß ja auch ein bisschen was gekostet hätte und das Risiko auf dem Meer einfach zu hoch war, blieben wir dann ein paar Nächte länger in Hanoi.

Es wurde der Literaturtempel besucht und im Anschluss daran ein kleiner Park direkt gegenüber, dort war ein Mann gerade am Angeln, wir schauten ihm etwas zu, danach liefen wir noch durch die tausend kleinen Gassen. Wir machten auch einen Abstecher an das Lenin Denkmal, den Cot Co Flaggenturm sowie das Ho Chi Minh Mausoleum, dieses ist leider für Touristen geschlossen und bewacht wie ein Goldschatz. Vorbei am Präsidentenpalst, spazierten wir  etwas am Westsee entlang und beobachteten auch dort die unzähligen Angler. Wir durchquerten einen kleinen Park in diesem hockte ein Mann an einem Baum und kackte da einfach, man kann das hier einfach alles nicht glauben.

Mit dem Taxi ging es dann noch  ins Französische Viertel an den Bay Mau See, dieser liegt in einer Parkanlage, wo wir tatsächlich Eintritt für zahlen mussten. Auch hier versuchten wieder Angler ohne Ende ihr Glück und wir fragen uns wirklich, wer in Vietnam überhaupt arbeitet, wahrscheinlich die ganzen Frauen, denn diese sah man kaum am Wasser. Der nahegelegene Bahnhof wurde auch noch kurz angeschaut, es ging halb so chaotisch zu wie wir es uns vorgestellt hatten. Die Züge hatten nur offene Fenster und davor nochmals Gitter und eine Art Gardine als Sonnenschutz, von Klimaanlage kann man darin nur träumen.

Im Großen und Ganzen waren wir einfach nur froh, dass der Abreisetag in Vietnam immer näher rückte und wir die Tage in diesem Land überstanden haben. Es hat uns gar nicht gefallen zu laut, zu hektisch, zu unfreundliche Menschen, kaum jemand spricht Englisch, man hatte immer schnell den Eindruck wenn man jemand ansprach, in einem Geschäft oder in der Apotheke, dass es den Leuten sehr lästig war und sie eigentlich gar keinen Bock darauf hatten. Wir wurden im Supermarkt beschissen, an einem Essensstand wurde behauptet wir hätten noch nicht bezahlt, was wir definitiv getan hatten, wir wurden auch im Taxi beschissen, denn dort schnellte das Taximeter nur so in die Höhe und man hörte ein verdächtiges knacken.
Als wir dann endlich auf dem Weg zum Flughafen waren, ließen wir uns von einem Taxi, an ein Büro einer bekannten Busgesellschaft fahren. Bei dieser waren wir bereits zweimal zuvor gewesen, um uns zu erkundigen, wie das mit den Tickets und den Bussen läuft, beide Male wurden wir mit leeren Händen weggeschickt und sollten am Abreiseabend wieder kommen. Dies taten wir und als wir dann 25 Minuten vor der Zeit dort eintrafen war der Laden ausgestorben, niemand mehr da und die Putzkolonne war auch schon durch. Ein Sicherheitsbeamter sprach etwas englisch und meinte,  dass heute kein Bus mehr fahren würde. Das konnte jetzt echt nicht wahr sein, so ein Saftladen, sie hatten uns mehrmals versichert, dass es um 19.30 noch einen Bus geben würde. 

Uns blieb also nichts anderes übrig, als einen Fahrer an den Flughafen zu nehmen, der war wenigstens noch etwas billiger als ein Taxi, aber der Bus hätte nicht mal ein Viertel davon gekostet. Wir waren echt auf 180, stiegen dann zum dem Typ ins Auto und er fuhr uns an den Flughafen, man hatte hier wirklich jeden Tag das Gefühl, verarscht, ausgelacht oder abgezockt zu werden. 

Am Flughafen hatten wir dann noch etwas Zeit totzuschlagen, da unser Flug erst um 23.30 Uhr dieses „tolle und einzigartige“ Land verlassen würde. Ich ging also auf die Toilette und von den 10 Kabinen war eine besetzt, ich lief alle anderen ab, auf der Suche nach etwas Toilettenpapier, doch nirgends konnte ich auch nur einen Fetzen erwischen und das abends um 21 Uhr auf dem Internationalen Flughafen in der Hauptstadt.
Irgendwie saßen wir die Zeit ab und stiegen dann ins längste Flugzeug der Welt (Boeing 777) von Qatar. Gegen 23.30 hob die fast leere  Maschine endlich ab Richtung Bangkok.

                                           GOODBYE VIETNAM.

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