Am Mittwochnachmittag erledigten wir noch ein paar Einkäufe.
Wir benötigen für die Arbeit spezielle Stahlkappenschuhe und da die Frau meinte
in dieser Ortschaft gäbe es nicht so viel besorgten wir eben noch Kleinigkeiten
in Albany. Gegen 17.00 Uhr verließen wir unsere Gastfamilie um in ein neues
Abenteuer aufzubrechen. Wir fuhren noch eine gute Stunde ins Landesinnere und
suchten uns dann in Bolten ein Plätzchen zum Übernachten. Im Dunkeln soll man
hier möglichst nicht fahren da es ziemlich viele aktive Kängurus um diese
Uhrzeit gibt, dasselbe gilt für die Morgendämmerung.
Mit einem Blick in unseren extra gekauften „Camp 6“ war
schnell ein kostenloses Plätzchen gefunden. Jetzt musste man es nur noch finden
und das im Halbdunkeln in einem Kaff wo alles gleich aussieht. Es war relativ
schnell gefunden, allerdings lag dieser Platz genau an einem Firmengelände wo
ab und an Trucks nachts anliefern. Wir dachten uns was soll’s! Wir waren so
müde und beschlossen einfach hier zu schlafen, wir mussten sowieso ziemlich
früh wieder aufbrechen.
Am nächsten Morgen ging die Fahrt weiter Richtung Lake
Grace. Jetzt was finden wo man frühstücken kann wäre toll, wir hatten natürlich
in dieser Richtung nix dabei. Nach einer guten Stunde durch das Nichts kam ein
kleines Dorf und dort gab es ein Roadhouse in dem man tatsächlich was futtern
konnte. Wir waren etwas knapp in der Zeit, gegen 10.15 Uhr erreichten wir Lake
Grace und das Mainoffice. Wir mussten dort unsere Filme vervollständigen,
bekamen unsere Arbeitsutensilien und mussten unseren ersten Drogen- und Alkoholtest
machen. Alles prima! Die gestellten Arbeitssets bestehen aus Langarmshirts,
immerhin 3 Stück, einem Hut und einer Trinkflasche. Weitere Sachen würden wir
vor Ort in Karlgarin erhalten. Dieser Ort liegt nochmal etwa eine Stunde im Landesinneren. Die Frau
in dem Büro riet uns noch etwas zu essen zu kaufen, da es dort nur ca. 200
Einwohner gibt und somit alles etwas eingeschränkt ist. Wir hatten unser Mittagessen
in Lake Grace, besorgten noch etwas zu futtern und weiter ging es.
Eine gute Stunde später in Karlgarin suchten wir das Gelände der Firma. Es
war ziemlich leicht gefunden. Jamie der Chef hier zeigte uns kurz das Gelände
und die Unterkunft (2 Container aneinandergefügtJ).
Er meinte wir hätten heute Zeit für uns und morgen geht dann das Arbeiten los.
Wir warfen einen Blick in unsere Australienbücher und sahen dass 20 Minuten von
hier die Touristenattraktion Wave Rock ist. Da wir nicht wussten was wir sonst
tun sollten, fuhren wir zum Wave Rock. Es ist eine Art Steinwelle im Nichts (Fotos
folgen unten), war ganz nett anzusehen. Später fuhren wir zu unserer Unterkunft
zurück. Jamie der einzige der dort wohnt, teilte uns mit, er gehe jetzt zum Krickettraining
und danach ins Pub wo wir uns doch treffen könnten. Wir waren aber so müde und
wollten nur noch was Essen, duschen und danach in unserem Van schlafen. Das mit
in dem Van schlafen hat den einfachen Hintergrund, da er sauber ist, was man
von der „Hut“ so nennen sie diese Unterkünfte, nicht behaupten kann. Es war
jedoch super die Küche, das Wohnzimmer und das Bad nutzen zu dürfen.
Freitagabend hatten wir dann unser erstes BBQ in Australien
mit unseren neuen Arbeitskollegen. Sehr lecker, ging aber nicht so lange da
alle am nächsten Tag arbeiten wollten. Die Betonung liegt auf wolltenJ da es Samstags,
Sonntags, an Feiertagen und nach 18.00 Uhr 12 Dollar mehr die Stunde gibt.
Nach getaner Arbeit am Samstag wollten wir ins hiesige Pub
um was zu futtern und ein paar Bierchen zu zischen. Als wir gegen 19.30 durch
die Straßen liefen, waren wir die einzigen da draußen. Im Pub waren ganze 4
Leute, eine davon die BedienungJ.
Auf unsere Frage ob es noch was zu essen gibt bekamen wir die Antwort, NEIN!!! Die
haben nur Donnerstags und Freitags Essen im Angebot. Das ist echt unglaublich,
da wird einem mal wieder klar wie verwöhnt wir doch in Deutschland sind.
Am Sonntag schliefen wir mal einigermaßen aus und verließen
gegen 12.00 Karlgarin und Jamie um uns auf den Weg nach Woolocutty zu machen, wo wir die nächste Zeit
gemeinsam auf einer anderen „Bin“ arbeiten sollten. Da dieser Ort nur ca. 50
Minuten von Karlgarin entfernt liegt, besuchten wir einen Wildlifepark am Wave Rock und 2 Höhlen die
eh auf dem Weg lagen. Gegen 17.00 suchten wir uns einen Schlafplatz irgendwo im
nirgendwo. Wir benutzten das erste Mal unseren Herd im Van (Lukas machte sich
ein Süppchen).
Der nächste Morgen, wir begannen um 8.00 unsere Arbeit in
Woolocutty. Wir suchten dort nach dem Chef, es stellte sich raus das ein 22
jähriges Mädel mit einem anderen 19 jährigen Mädel den Laden schmeißt. Beide
sehr nett und hilfsbereit. Hier wohnen wir jetzt allein in dem „Hut“ schlafen
aber weiterhin im Van, da die Betten hier so was von gemütlich sind.
Wir mussten feststellen, dass wir am Arsch der Welt gelandet
sind. Hier gibt es kein Handynetz, keine Internetverbindung, keine direkten
Nachbarn und der nächste Ort Hyden mit seinen 400 Einwohnern liegt 45 km
entfernt. Was soll‘s so können wir wenigstens unser Gehalt sparen. Wie lange
wir das hier durchziehen werden ist jedoch abzuwarten. Ja so ein Spaziergang am
Strand ist doch was feines, allerdings gibt es hier einen super schönen
glasklaren Sternenhimmel- wirklich amazing.
Wir waren auch einkaufen in dem 45 km entfernten Hyden und
es waren dort Zustände wie nach dem Krieg. Leere Regale, Brot muss man sich
weglegen lassen, es gibt kaum Fleisch, das Obst und Gemüse ist richtig, richtig
teuer. Ein Abenteuer für sich!
Exkurs Arbeitsalltag:
Sicher seit ihr neugierig was wir an Arbeit leisten müssen.
Im Grunde genommen ist der Ablauf auf einer „Bin“ (Sammelstelle für
Getreideprodukte der Farmer) und unserer Tätigkeit leicht erklärt. Es kommen
täglich mehrere Trucks die zum Beispiel Weizen geladen haben. Dieses wird in
einem ersten Schritt einer Qualitätskontrolle unterzogen. Nach positivem
Ergebnis wird der Truck gewogen um festzustellen wie viel er geladen hat. Dann
kommen die Trucks zu den Abladestellen an denen wir beschäftigt sind. Wir
kontrollieren und regulieren den Abladevorgang der Trucks. Und das war es auch
schon. Natürlich kommen nicht durchgehend Trucks und somit sind auch von den
etwa täglichen 9 Stunden Arbeit bestimmt ein Drittel in der Gegend rum hängen
und Zeit totschlagen. Dafür wird das Ganze mit rund 22$ relativ gut entlohnt
und macht die Abgeschiedenheit etwas wett. Wir sind schon ganz gespannt auf
unser erstes Gehalt.
Mittlerweile ist Freitag der 25.11. und wir haben jetzt eine
Woche gearbeitet. Da es gestern und heute bereits um 9.00 Uhr morgens schon 29
Grad war und auch sehr windig, konnte nicht den ganzen Tag gearbeitet werden,
da es für die Farmer zu gefährlich ist. Bei diesem Wetter kann sehr schnell ein
Feuer entfachen, deshalb wird nur den halben Tag geschuftet. Da man auch im
entfernten Hyden nicht viel machen kann und es mittags um die 37 Grad warm ist,
besuchten wir das hiesige Freibad. Es ist echt erstaunlich, dass sie hier bei
rund 400 Einwohnern überhaupt so was besitzen. Der Eintritt war erstaunlich
günstig, nur 1 Euro pro Person. Das Schwimmerbecken war mit 3 Personen besetzt,
dadurch konnten wir ungestört ein paar Bahnen ziehen- sehr erfrischend. In dem
Schwimmbad gibt es so viele Regeln und Verbotsschilder das kann man sich nicht
vorstellen, ist aber wohl typisch für Australien.
Heute haben wir unseren ersten Abrechnungszettel bekommen. Sau
gut, Lukas hat auf dem Papier 10 Stunden geschafft und dafür gibt’s 190 Dollar,
Verena hat länger gearbeitet, leider nicht auf dem Papier, bekommt aber einen
etwas besseren StundenlohnJ
und hat in 9 Stunden 180 Dollar verdient. Das ist schon Wahnsinn, wenn man
bedenkt wie viel Geld das ist für diese Arbeit. Man darf natürlich nicht
vergessen, dass hier alles wesentlich teurer ist als in Deutschland, trotzdem
für Backpacker ein guter Verdienst. Jetzt heißt es versuchen zu sparen, damit
dann die Reise weiter gehen kann Richtung Süden.
P.S.: Sorry das es soooo lange gedauert hat mit dem
hochladen dieses Abschnitts, aber hier eine Verbindung zu bekommen, welche das
ermöglicht war nicht ganz so einfach. Dafür gabs diesmal etwas längeren Text :-)