Freitag, 10. August 2012

Erst mal wieder ans Meer - Sihanoukville


Wir standen also kurz hinter der Grenze und überlegten, was wir jetzt machen wollten. Wir hatten die Wahl, entweder mit einem dieser Schlepper hier in die Stadt nach Koh Kong fahren und hoffen, dass wir es noch rechtzeitig zum letzten Bus heute schaffen würde, der dann nach Sihanoukville ans Meer fahren würde, oder es einfach entspannt angehen. Wir nahmen die zweite, angenehmere Variante, direkt ein paar Meter nach der Grenzstation, gibt es ein großes Kasino mit einer riesen Hotelanlage, dies wird wohl sehr gerne von Thais benutzt, denn in Thailand ist Glückspiel verboten, so machen sie dann immer einen kleinen, kurzen Abstecher. Da wir durch eine Art Hintereingang in das Gebäude von einem Security Mann geführt wurden, ist uns gar nicht so aufgefallen, wie groß und pompös das Hotel wirkte. Wir liefen an Geschäften und Nagelstudios vorbei, dann ging es durch die Spielhölle, die natürlich auch um 12 Uhr mittags gut gefüllt war, dann erreichten wir die Rezeption des Hotels.

Wir checkten ein und verschafften uns einen kleinen Überblick des Hotels. Es wirkte wirklich sehr elegant mit seinen weißen, riesig geschwungenen Säulen und Anbauten, dem riesen Pool mit direktem Blick aufs Meer.
Am nächsten Morgen organisierte uns Lukas einen Fahrer mit Auto, zuerst sollte er uns nur rein in die Stadt (Koh Kong) fahren und wir wollten einen Bus weiter nach Sihanoukville nehmen. Da der Preis pro Person aber nur 6 Euro mehr war, direkt mit einem klimatisierten Auto los nach Sihanoukville zu fahren, konnten wir nicht nein sagen. Wir wechselten noch das Auto, bekamen ein „besseres“ und einen anderen Fahrer der etwas mehr englisch sprach, als der erste und schon gings los. Eine ca. 4,5 Stündige Autofahrt lag nun vor uns, wir fuhren durch kleine Dörfer, die Straßenverhältnisse waren nicht die besten, was den Fahrer aber nicht davon abhielt durchgängig mit 110 km/h über die Straßen zu gleiten. Was uns auffiel waren die vielen roten Schilder am Straßenrand, die wirklich ständig wenn es etwas ins Feld neben ging einem ins Auge fielen, da wurde einem wieder bewusst, dass man im meist verminten Land der Welt angekommen ist. Kühe und Rinder liefen einfach auf den Straßen, außerdem wieder jede Menge Roller die mit mindestens 2 bis zu 6 Personen beladen waren. 

Nach gefühlten 10 Stunden erreichten wir Sikanoukville, die Unterkunft hatten wir noch schnell von unterwegs ausgesucht, doch der Fahrer hatte keinen blassen Schimmer wo dieses Schweizer geführte Gästehaus sein sollte. Wir gaben die Adresse ins Handy ein und konnten so den Fahrer etwas lotsen und kamen dann auch an. Ein älterer Mann kam gleich ans Auto und sprach uns erst mal auf Französisch an, darauf meinte Lukas verstehen wir nicht, Englisch bitte, ich sagte zu Lukas etwas auf Deutsch, daraufhin kam der Mann zu mir, streckte seine Hand entgegen und meinte Grüezi ich bin der Peter, willkommen bei uns. Er zeigte uns zwei Zimmer ein großes und ein kleineres, wir nahmen das Kleinere, was trotzdem nicht wirklich klein war, aber natürlich etwas günstiger. Da die Sonne vom Himmel strahlte nutzen wir die Gelegenheit und liefen gleich mal ans Meer, schauten uns etwas um, der Strand wirkte schon sehr chillig und entspannt, überall waren kleine Korbstühle und Tisch aufgestellt, trotzdem war der Strand nicht überfüllt. Wir aßen zu Abend und als wir ins Gästehaus zurückkehrten saß Peter an einem der Tische, wir kamen etwas mit ihm ins Gespräch und erhielten einige nützliche Tipps aus erster Hand. 

Wir bekamen auch hier ein sehr leckeres Frühstück mit Eiern, Croissants, Marmelade und richtigem Kaffee, dazu sogar eine kleine Tafel echte Schweizer Schoki, da konnten die Tage nur gut starten. Leider hatten wir aber wieder etwas Pech mit dem Wetter, es regnete wirklich jeden Tag, mal mehr mal weniger, trotzdem hatte man die 32 Grad von der enormen Luftfeuchtigkeit einmal abgesehen. 

Da es in Sihanoukville an die 7 verschiedene Strände gibt und die Stadt auch sehr in die Länge gezogen ist, war schnell klar wir brauchen einen Roller um etwas unabhängig die Umgebung erkunden zu können. Lukas machte sich auf zu einer von Peter empfohlenen Adresse um einen Roller auszuleihen, doch der Verleiher hatte keine mehr da, so meinte er zu Lukas er solle in 30 Minuten nochmal kommen bis dahin hätte er einen organisiert. Wir liefen später dann nochmal vorbei und es stand tatsächlich einer für uns bereit, so gings sofort an der Küste entlang. 

Was sehr angenehm war, hier in dem Gästehaus konnten wir mal wieder etwas ausschlafen, es war verhältnismäßig ruhig und das Beste man bekam auch um 12 Uhr noch ein leckeres Frühstück serviert. Danach fuhren wir immer etwas durch die Umgebung und verschafften uns erste Eindrücke, was schnell auffiel war der viele Müll, der einfach überall in der Gegend rumlag und die vielen Kinder die diesen auf der Suche nach wertvollem Plastik oder Aluminium durchsuchten, die sogenannten Müllkinder. Die meisten Leute sind sehr sehr freundlich am Winken, hilfsbereit und interessiert an uns anders aussehenden. Die Kühe liefen auch hier wieder frei und wild über die Straßen, Toiletten gibt es kaum, man sieht ständig irgendwo, vor allem Männer an einer Mauer oder etwas in einer Wiese stehen und sie pinkeln da, alles total normal. Die Straßen waren mit die schlechtesten die wir je gesehen haben, wir sind an einen Wasserfall gefahren, da bestand die Straße aus roter Sandpiste. In der Nähe vom großen Frachthafen fuhren wir über eine kleine Schlammpiste, durch riesen Pfützen, aber seht selber wir haben ein kleines Video dazu gedreht. 

Interessant war, der eine Nachbar des Gästehauses ist der Polizeichef der Stadt, auf der anderen Seite ist ein großes, wildes, unbebautes Grundstück auf diesem hausen in einer Hängematte und in einem kleinen Unterschlupf ein älteres Paar, was sich da wohl sehr wohl fühlt und auch nirgends woanders wohnen möchte. Verkehrte Welt, oder?

Die 3 Katzen der Besitzer des Hauses besuchten uns in unserem Zimmer sobald man nicht gleich die Tür hinter sich schloss, waren sehr verschmust und lagen die meiste Zeit irgendwo faul rum und pennten.
Wir besuchten einen Markt direkt im Ort, wo es sehr viele nicht ganz appetitliche Sachen zu kaufen gab. Die ganze Markthalle war sehr dunkel und schlecht belüftet, so war es schon Wahnsinn diese ganzen toten Fische, Hühner und Innereien da so liegen zu sehen (ungekühlt versteht sich) und zu riechen. Besonders lecker war es, wenn dem Fisch gerade der Kopf abgehackt wurde oder ein Frosch in alle Einzelteile zerlegt wurde. Daneben gab es viele Kleider, Rucksäcke und Taschen, Uhren, Elektrokram, natürlich alles Original :-) und viel Gold. Also nicht wirklich was für uns dabei aber trotzdem ein Erlebnis.
Kommen wir mal zur Kleidung der Einheimischen, die kleinen Kinder haben meistens, wenn überhaupt nur ein Hemdchen an und unten rum ist alles blank, erleichtert wahrscheinlich das Pinkeln an Mauern usw., die Damen der Bevölkerung bevorzugen da schon eher sportlich, bequeme Nachtwäsche, also richtige Pyjamas, die tragen hier wirklich viele. 

Dann der Verkehr fast alle waren wieder auf ihren Rollern unterwegs, teilweise sitz man aber auch auf dem Dach und der Ladefläche von LKW`S. Verkehrsregeln, eigentlich gibt es nicht viele, man fährt hier wieder im Rechtsverkehr, mittlerweile etwas ungewohnt für uns, aber hat man ja schnell wieder drin. Dann wird gehupt und reingedrückt was geht, bei großen Pfützen fährt man auch mal auf der Gegenseite und rote Ampeln werden prinzipiell ignoriert, Wahnsinn oder? Aber es klappt alles irgendwie, wir haben noch keinen Unfall gesehen. 

Wir hatten auch gleich wieder das Vergnügen mit der lieben Polizei, ratet mal warum? Wir waren nicht ohne Helm oder zu schnell, nein wir fuhren tagsüber mit Licht, streng verboten, nachts nach Belieben einzuschalten. Lukas musste seinen internationalen Führerschein zeigen, in diesen wurde noch nicht einmal ein Blick geworfen, wir mussten das Licht ausschalten und 1 US Dollar Strafe bezahlen, das war’s keine Quittung nichts, wird alles schön in die „ Gemeinschaftskasse“ gesteckt, Peter nannte es Teil der Entwicklungshilfe.
Einmal ging uns wirklich das Benzin aus, da die Tankanzeige nicht mehr ganz so zuverlässig war, so mussten wir schieben, glücklicherweise war es nicht so weit bis ans Gästehaus. Dort baten wir Peter, ob er kurz für uns eine Flasche Benzin irgendwo holen könnte, damit wir dann weiter an eine Tankstelle fahren können, natürlich sagte er nicht nein.

Wir waren auch in einer Apotheke, rein aus Interesse, und man muss schon sagen, dass diese besser ausgestattet war, als so manche in Thailand. Es gab auch gängige Marken wie in Deutschland, die Verpackungen waren sauber und alles wurde ordentlich in Schränken aufbewahrt. Die Angestellte sprach ziemlich gut Englisch, also wenn man etwas gebraucht hätte, wäre es auch hier kein Problem gewesen, was zu bekommen. Viagra kann man übrigens direkt im Supermarkt kaufen, dafür brauch man nicht in die Apotheke und kein Rezept.

Ja die Währung hier ist etwas umständlich, eigentlich ist die Landeswährung Riel, es gibt nur Scheine keine Münzen und wieder viele Nullen, also 5000 Riel sind ca. 1 Euro. Es wird aber meistens alles in Dollar angeschrieben, oder es ist zumindest kein Problem mit dem US Dollar zu bezahlen, natürlich auch wieder nur mit Scheinen. Wenn man einen größeren Betrag zu bezahlen hat, wird dieser in Dollar und der kleinere Betrag in Riel bezahlt, so ist man ständig am um- und nachrechnen. 

Es ergab sich auch hier schon das Visum für unser nächstes Land was in einigen Tagen dann folgen wird zu beantragen. Es ging ratz fatz, war kaum was los auf der Botschaft, so musste man nur sein Passbild, den ausgefüllten Visaantrag und 45 US Dollar auf den Tisch legen und 3 Minuten später hatte man das Visum für Vietnam im Pass kleben. Das Visum hätten wir so oder so vorher besorgen müssen, bei denen bekommt man das nicht einfach mal so an der Grenze und bevor wir es in der Hauptstadt beantragt hätten, wo es fast alle machen, erledigten wir es schon hier. Ab dem 12 August dürfen wir dort einreisen, mal sehen wann wir über die Grenze gehen werden.

Zigaretten sind hier unschlagbar günstig, könnte man fast wieder schwach werden :-), nein nie wieder!
Die Tage waren sehr entspannt und vergingen auch wieder viel zu schnell und es sollte weiter gehen. Wir buchten mal wieder eine 5 Stündige Busfahrt in die Hauptstadt, etwas Kultur sollte es sein.

1 Kommentar:

  1. Die Fahrt mit dem Roller durch die Straßen von Kambodscha war bestimmt eine wahre Herausforderung:)
    Liebe Grüsse.

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