Wir standen also kurz hinter der Grenze und überlegten, was
wir jetzt machen wollten. Wir hatten die Wahl, entweder mit einem dieser
Schlepper hier in die Stadt nach Koh Kong fahren und hoffen, dass wir es noch
rechtzeitig zum letzten Bus heute schaffen würde, der dann nach Sihanoukville
ans Meer fahren würde, oder es einfach entspannt angehen. Wir nahmen die
zweite, angenehmere Variante, direkt ein paar Meter nach der Grenzstation, gibt
es ein großes Kasino mit einer riesen Hotelanlage, dies wird wohl sehr gerne
von Thais benutzt, denn in Thailand ist Glückspiel verboten, so machen sie dann
immer einen kleinen, kurzen Abstecher. Da wir durch eine Art Hintereingang in
das Gebäude von einem Security Mann geführt wurden, ist uns gar nicht so
aufgefallen, wie groß und pompös das Hotel wirkte. Wir liefen an Geschäften und
Nagelstudios vorbei, dann ging es durch die Spielhölle, die natürlich auch um
12 Uhr mittags gut gefüllt war, dann erreichten wir die Rezeption des Hotels.
Wir checkten ein und verschafften uns einen kleinen
Überblick des Hotels. Es wirkte wirklich sehr elegant mit seinen weißen, riesig
geschwungenen Säulen und Anbauten, dem riesen Pool mit direktem Blick aufs
Meer.
Am nächsten Morgen organisierte uns Lukas einen Fahrer mit
Auto, zuerst sollte er uns nur rein in die Stadt (Koh Kong) fahren und wir
wollten einen Bus weiter nach Sihanoukville nehmen. Da der Preis pro Person
aber nur 6 Euro mehr war, direkt mit einem klimatisierten Auto los nach
Sihanoukville zu fahren, konnten wir nicht nein sagen. Wir wechselten noch das
Auto, bekamen ein „besseres“ und einen anderen Fahrer der etwas mehr englisch
sprach, als der erste und schon gings los. Eine ca. 4,5 Stündige Autofahrt lag
nun vor uns, wir fuhren durch kleine Dörfer, die Straßenverhältnisse waren
nicht die besten, was den Fahrer aber nicht davon abhielt durchgängig mit 110 km/h
über die Straßen zu gleiten. Was uns auffiel waren die vielen roten Schilder am
Straßenrand, die wirklich ständig wenn es etwas ins Feld neben ging einem ins
Auge fielen, da wurde einem wieder bewusst, dass man im meist verminten Land
der Welt angekommen ist. Kühe und Rinder liefen einfach auf den Straßen,
außerdem wieder jede Menge Roller die mit mindestens 2 bis zu 6 Personen
beladen waren.
Nach gefühlten 10 Stunden erreichten wir Sikanoukville, die
Unterkunft hatten wir noch schnell von unterwegs ausgesucht, doch der Fahrer
hatte keinen blassen Schimmer wo dieses Schweizer geführte Gästehaus sein
sollte. Wir gaben die Adresse ins Handy ein und konnten so den Fahrer etwas
lotsen und kamen dann auch an. Ein älterer Mann kam gleich ans Auto und sprach
uns erst mal auf Französisch an, darauf meinte Lukas verstehen wir nicht,
Englisch bitte, ich sagte zu Lukas etwas auf Deutsch, daraufhin kam der Mann zu
mir, streckte seine Hand entgegen und meinte Grüezi ich bin der Peter,
willkommen bei uns. Er zeigte uns zwei Zimmer ein großes und ein kleineres, wir
nahmen das Kleinere, was trotzdem nicht wirklich klein war, aber natürlich
etwas günstiger. Da die Sonne vom Himmel strahlte nutzen wir die Gelegenheit und
liefen gleich mal ans Meer, schauten uns etwas um, der Strand wirkte schon sehr
chillig und entspannt, überall waren kleine Korbstühle und Tisch aufgestellt,
trotzdem war der Strand nicht überfüllt. Wir aßen zu Abend und als wir ins
Gästehaus zurückkehrten saß Peter an einem der Tische, wir kamen etwas mit ihm
ins Gespräch und erhielten einige nützliche Tipps aus erster Hand.
Wir bekamen auch hier ein sehr leckeres Frühstück mit Eiern,
Croissants, Marmelade und richtigem Kaffee, dazu sogar eine kleine Tafel echte
Schweizer Schoki, da konnten die Tage nur gut starten. Leider hatten wir aber
wieder etwas Pech mit dem Wetter, es regnete wirklich jeden Tag, mal mehr mal
weniger, trotzdem hatte man die 32 Grad von der enormen Luftfeuchtigkeit einmal
abgesehen.
Da es in Sihanoukville an die 7 verschiedene Strände gibt
und die Stadt auch sehr in die Länge gezogen ist, war schnell klar wir brauchen
einen Roller um etwas unabhängig die Umgebung erkunden zu können. Lukas machte
sich auf zu einer von Peter empfohlenen Adresse um einen Roller auszuleihen,
doch der Verleiher hatte keine mehr da, so meinte er zu Lukas er solle in 30
Minuten nochmal kommen bis dahin hätte er einen organisiert. Wir liefen später
dann nochmal vorbei und es stand tatsächlich einer für uns bereit, so gings
sofort an der Küste entlang.
Was sehr angenehm war, hier in dem Gästehaus konnten wir mal
wieder etwas ausschlafen, es war verhältnismäßig ruhig und das Beste man bekam
auch um 12 Uhr noch ein leckeres Frühstück serviert. Danach fuhren wir immer
etwas durch die Umgebung und verschafften uns erste Eindrücke, was schnell
auffiel war der viele Müll, der einfach überall in der Gegend rumlag und die
vielen Kinder die diesen auf der Suche nach wertvollem Plastik oder Aluminium
durchsuchten, die sogenannten Müllkinder. Die meisten Leute sind sehr sehr
freundlich am Winken, hilfsbereit und interessiert an uns anders aussehenden. Die
Kühe liefen auch hier wieder frei und wild über die Straßen, Toiletten gibt es
kaum, man sieht ständig irgendwo, vor allem Männer an einer Mauer oder etwas in
einer Wiese stehen und sie pinkeln da, alles total normal. Die Straßen waren
mit die schlechtesten die wir je gesehen haben, wir sind an einen Wasserfall
gefahren, da bestand die Straße aus roter Sandpiste. In der Nähe vom großen
Frachthafen fuhren wir über eine kleine Schlammpiste, durch riesen Pfützen,
aber seht selber wir haben ein kleines Video dazu gedreht.
Interessant war, der eine Nachbar des Gästehauses ist der
Polizeichef der Stadt, auf der anderen Seite ist ein großes, wildes, unbebautes
Grundstück auf diesem hausen in einer Hängematte und in einem kleinen
Unterschlupf ein älteres Paar, was sich da wohl sehr wohl fühlt und auch
nirgends woanders wohnen möchte. Verkehrte Welt, oder?
Die 3 Katzen der Besitzer des Hauses besuchten uns in
unserem Zimmer sobald man nicht gleich die Tür hinter sich schloss, waren sehr
verschmust und lagen die meiste Zeit irgendwo faul rum und pennten.
Wir besuchten einen Markt direkt im Ort, wo es sehr viele
nicht ganz appetitliche Sachen zu kaufen gab. Die ganze Markthalle war sehr
dunkel und schlecht belüftet, so war es schon Wahnsinn diese ganzen toten
Fische, Hühner und Innereien da so liegen zu sehen (ungekühlt versteht sich)
und zu riechen. Besonders lecker war es, wenn dem Fisch gerade der Kopf
abgehackt wurde oder ein Frosch in alle Einzelteile zerlegt wurde. Daneben gab
es viele Kleider, Rucksäcke und Taschen, Uhren, Elektrokram, natürlich alles
Original :-) und viel Gold. Also nicht wirklich was für uns dabei aber trotzdem
ein Erlebnis.
Kommen wir mal zur Kleidung der Einheimischen, die kleinen
Kinder haben meistens, wenn überhaupt nur ein Hemdchen an und unten rum ist
alles blank, erleichtert wahrscheinlich das Pinkeln an Mauern usw., die Damen
der Bevölkerung bevorzugen da schon eher sportlich, bequeme Nachtwäsche, also
richtige Pyjamas, die tragen hier wirklich viele.
Dann der Verkehr fast alle waren wieder auf ihren Rollern
unterwegs, teilweise sitz man aber auch auf dem Dach und der Ladefläche von LKW`S.
Verkehrsregeln, eigentlich gibt es nicht viele, man fährt hier wieder im
Rechtsverkehr, mittlerweile etwas ungewohnt für uns, aber hat man ja schnell
wieder drin. Dann wird gehupt und reingedrückt was geht, bei großen Pfützen
fährt man auch mal auf der Gegenseite und rote Ampeln werden prinzipiell
ignoriert, Wahnsinn oder? Aber es klappt alles irgendwie, wir haben noch keinen
Unfall gesehen.
Wir hatten auch gleich wieder das Vergnügen mit der lieben
Polizei, ratet mal warum? Wir waren nicht ohne Helm oder zu schnell, nein wir
fuhren tagsüber mit Licht, streng verboten, nachts nach Belieben einzuschalten.
Lukas musste seinen internationalen Führerschein zeigen, in diesen wurde noch
nicht einmal ein Blick geworfen, wir mussten das Licht ausschalten und 1 US
Dollar Strafe bezahlen, das war’s keine Quittung nichts, wird alles schön in
die „ Gemeinschaftskasse“ gesteckt, Peter nannte es Teil der Entwicklungshilfe.
Einmal ging uns wirklich das Benzin aus, da die Tankanzeige
nicht mehr ganz so zuverlässig war, so mussten wir schieben, glücklicherweise
war es nicht so weit bis ans Gästehaus. Dort baten wir Peter, ob er kurz für
uns eine Flasche Benzin irgendwo holen könnte, damit wir dann weiter an eine
Tankstelle fahren können, natürlich sagte er nicht nein.
Wir waren auch in einer Apotheke, rein aus Interesse, und
man muss schon sagen, dass diese besser ausgestattet war, als so manche in
Thailand. Es gab auch gängige Marken wie in Deutschland, die Verpackungen waren
sauber und alles wurde ordentlich in Schränken aufbewahrt. Die Angestellte
sprach ziemlich gut Englisch, also wenn man etwas gebraucht hätte, wäre es auch
hier kein Problem gewesen, was zu bekommen. Viagra kann man übrigens direkt im
Supermarkt kaufen, dafür brauch man nicht in die Apotheke und kein Rezept.
Ja die Währung hier ist etwas umständlich, eigentlich ist
die Landeswährung Riel, es gibt nur Scheine keine Münzen und wieder viele
Nullen, also 5000 Riel sind ca. 1 Euro. Es wird aber meistens alles in Dollar
angeschrieben, oder es ist zumindest kein Problem mit dem US Dollar zu
bezahlen, natürlich auch wieder nur mit Scheinen. Wenn man einen größeren
Betrag zu bezahlen hat, wird dieser in Dollar und der kleinere Betrag in Riel
bezahlt, so ist man ständig am um- und nachrechnen.
Es ergab sich auch hier schon das Visum für unser nächstes
Land was in einigen Tagen dann folgen wird zu beantragen. Es ging ratz fatz,
war kaum was los auf der Botschaft, so musste man nur sein Passbild, den
ausgefüllten Visaantrag und 45 US Dollar auf den Tisch legen und 3 Minuten
später hatte man das Visum für Vietnam im Pass kleben. Das Visum hätten wir so
oder so vorher besorgen müssen, bei denen bekommt man das nicht einfach mal so
an der Grenze und bevor wir es in der Hauptstadt beantragt hätten, wo es fast
alle machen, erledigten wir es schon hier. Ab dem 12 August dürfen wir dort
einreisen, mal sehen wann wir über die Grenze gehen werden.
Zigaretten sind hier unschlagbar günstig, könnte man fast
wieder schwach werden :-), nein nie wieder!
Die Tage waren sehr entspannt und vergingen auch wieder viel
zu schnell und es sollte weiter gehen. Wir buchten mal wieder eine 5 Stündige
Busfahrt in die Hauptstadt, etwas Kultur sollte es sein.
Die Fahrt mit dem Roller durch die Straßen von Kambodscha war bestimmt eine wahre Herausforderung:)
AntwortenLöschenLiebe Grüsse.