Samstag, 10. März 2012

Das Arbeiten in Australien

Nachdem wir seit letztem Dienstag auf dem zweiten Weingut ankamen und auf besseres Wetter hofften, wurde es noch schlimmer. Nach unzähligen Filmen, lesen, Uno und Memory spielen wurde es am Freitag so ungemütlich hier, das es im Van nur noch 13 Grad waren, draußen tagsüber 15. Das war schon extrem frisch, wir zogen also seit langem mal wieder Socken, geschlossene Schuhe, lange Jeans, T-Shirt, Pulli und sogar die gute alte Jacke, die echt in der letzten Ecke des Autos lag, sowie einen Schal, an. Wir saßen bei Wind, Regen und ganz grauem Himmel in dem einen Weintestraum, damit wir wenigstens einigermaßen von der Witterung geschützt waren. Wenn man allerdings so da saß, wurde es selbst in dem Raum ziemlich frisch, denn wir wissen ja alle was die Australier für Häuser bauen. Es pfiff der Wind durch, es kam sogar Regen unter den Türen in den Raum geflossen. Wir entschieden uns den Kamin zu benutzen, wirklich viel Holz war nicht vorhanden, das wo da war leicht feucht, es gestaltete sich etwas schwierig für uns Stadtkinder ein Feuer am Leben zu halten. Das anbrennen war kein Problem, aber die Stämme am Brennen zu halten war die Kunst, es gelang aber nach einiger Zeit, mit dem Feuer spielt ja jeder gerne rum. Leider wurde es bei der super Isolierung nicht wirklich warm. Es war erst Freitag und Murray meinte vor Montag könnt ihr auf keinen Fall anfangen zu arbeiten. Wir überlegten wieder hin und her, sollte man doch nach Sydney fahren, aber bei diesem miesen Wetter?? Hier bleiben im kalten, klammen Van?? Wir schauten uns nach Hostels in Orange um, natürlich wenn man mal eins braucht gibt’s da keine, also Hotels, die Preise begannen bei der letzten Absteige mit 125 AUD pro Nacht, das war uns dann doch etwas viel Geld, aber hier bleiben war auch keine wirkliche Alternative, wollten ja nicht noch krank werden, bevor wir überhaupt gearbeitet hatten. Wir kamen auf die Idee uns eine Kabine auf einem Campingplatz zu mieten. Glück gehabt eine war übers Wochenende noch frei, kostete zwar auch pro Nacht 65 AUD aber immer noch besser als hier zu frieren. Wir machten also den Van startklar und los gings wieder rein nach Orange in die Kabine.

 Es ist eine Art Container in dem ein 1, 40 Bett stand Luxus für uns, haben bestimmt seit über 4 Monaten in keinem richtigen Bett mehr geschlafen. Dann gab’s einen Tisch, 4 Stühle, Küchenzeile mit Kühlschrank, 3 Stockbetten, TV und im Anschluss daran unser eigenes kleines Bad mit Dusche. Es war so ein bisschen wie zu Hause, wenn man mal wieder mehr Platz hat als 1 m². Das Beste aber war es gab eine Klimaanlage mit der man auf 32 Grad hochheizen konnte, dann einen montierten Heizstrahler direkt rechts vom Bett und einen kleinen tragbaren Heizlüfter. Dieser hatte mit 2400 Watt ordentlich Power, so konnten wir es uns schön gemütlich machen. Wir schafften alles in den Container was wir für die nächsten 2 Tage nötig war, sodass wir erst mal nicht mehr raus ins nasse mussten. Wir schimmelten auf dem Bett und schauten Fernsehen.

Als wir am nächsten Morgen erwachten regnete es immer noch, im TV liefen live berichte von den Fluten die ¾  von NSW überschwemmt hatten. Wir hatten zwar mieses Wetter und echt viel Regen aber von den Wassermassen sind wir glücklicherweise verschont geblieben. Die nächst größere Stadt ca. 50 km entfernt von uns, hat es schlimm erwischt, dort wurden Leute evakuiert und ganze Straßen gesperrt. Gegen Mittag ließ der Regen etwas nach. Was wieder interessant war, dass das Internet bei diesem Wetter so gut wie gar nicht funktionierte. Man musste sich ständig neu einwählen, die Seiten wurden gar nicht aufgebaut, echt ätzend, so was ist man ja gar nicht gewöhnt, aber was will man machen, willkommen in Australien!!!

Es wurde leider viel zu schnell Sonntagmorgen und um 10 Uhr musste ausgecheckt werden, natürlich hatte es wieder mit dem regnen begonnen:-(, so ein Pech. Nachdem wir kurz überlegt hatten, einfach den tragbaren Heizlüfter aus der Kabine mitzunehmen, entschieden wir uns dagegen und fuhren in den nächsten Baumarkt auf der Suche nach einem kleinen Günstigen. Wir hatten ja schon wieder mit mindestens 30 AUD für so ein Gerät gerechnet, aber siehe da man kann auch in Australien echte Schnäppchen machen, wir erwischten einen kleinen beim Ausverkauf für gerade mal 5 AUD. Das war mal richtig günstig, wir besorgten auch noch einen Föhn, da es einfach zu kalt ist um 30 Minuten mit nassen Haaren dazusitzen. Wir liefen noch etwas durch die Malls um uns die Zeit zu vertreiben und gegen Mittag fuhren wir wieder aufs Weingut. Es regnete und regnete, wir hatten wirklich nicht viel Hoffnung, dass es morgen besser werden würde.

Gegen Abend erreichten auch die zwei anderen Picker das Weingut. Die zwei Jungs heißen Miles und Damian, einer ist aus den USA, der andere aus dem schönen Irland. Da hatten wir endlich mal Glück, beide sind in unserem Alter und nicht irgendwelche kleinen Kinder, die hier ja alles so aufregend und interessant finden. Beide echt sympathisch, außerdem hoffen wir durch das enge zusammen Leben mit den 2 unser Englisch etwas zu verbessern. Man muss allerdings sagen, dass man den Irländer leider sehr schlecht versteht und immer wieder nachfragen muss, das sagen sogar die Australier hier und sogar Miles.

Murray kam dann auch nochmal zu uns runter und meinte also morgen können wir mit dem Arbeiten anfangen, die Wettervorhersage wäre gut, allerdings nicht ganz so früh, erst gegen frühen Mittag. Das war uns egal, die Hauptsache endlich arbeiten. Die zwei Jungs erzählten uns, dass sie auch auf einer Farm über eine Woche festgesessen hatten und dort nichts machen konnten, außer warten.  Wie sich rausstellte, hatten sie gerade noch rechtzeitig ihren Ort verlassen, spät in der Nacht wurde dort alles überflutet und sie wären dann gar nicht mehr von dort weggekommen. Als wir dann in den Van gingen um zu schlafen, war es sehr angenehm unseren neuen Gefährten in Gebrauch zu nehmen. Im Nu war es kuschelig warm im Auto, war echt einer der besten Käufe die wir hier gemacht haben, selbst wenn wir später weiterreisen Richtung Ostküste und es dort evtl. mal wieder wärmer werden sollte, können wir den kleinen als Ventilator benutzen.

Der nächste morgen kam, wir wachten gegen 10 Uhr auf und der erste Blick aus dem Fenster folgte und schau an wir konnten es kaum fassen, aber die Sonne war da. Murray kam vorbei und meinte so in einer Stunde sind die Trauben genug getrocknet, dann können wir anfangen. Keine Ahnung warum man sie nicht feucht ernten darf, war uns auch egal, erst mal frühstücken und dann gings endlich raus auf den Acker.

Es bekam jeder eine kleine Gartenschere in die Hand, eine kurze Erklärung über die richtige Farbe der Trauben, kranke Trauben wurden gezeigt und dann hieß es los. Wir beide bekamen eine Reihe zugewiesen und dann wurde geschnitten, geerntet und sortiert, sodass die Körbe voll wurden. Was echt gut ist, das wir diesmal nicht pro Kiste bezahlt werden, sondern wirklich einen Job erwischt haben, der stündlich bezahlt wird. Gegen 14 Uhr sollten wir Mittagspause machen, eine ganze Stunde. Naja das passte uns natürlich nicht so ganz, weil man braucht ja nun wirklich keine Stunde um sich ein paar Stullen reinzuhauen, aber wir wollten ja nicht gleich schon wieder am ersten Tag meckern. Um 17. 30 hieß es dann genug für heute, macht Feierabend. Wir dachten wirklich wir stehen im Wald, da wartet der Winzer auch seit über einer Woche um endlich seine Trauben picken zu lassen und dann schickt er uns nach gerade mal 5 ½ Stunden Arbeit vom Feld. Wir konnten alle vier nur die Köpfe schütteln, sagten uns aber das war nur das Warm Up morgen geht’s dann richtig los.

Der zweite Tag, wir bekamen Tracy und Thomas vorgestellt, die uns helfen sollten zu picken, letztendlich sind sie nur dafür da um uns an ein bestimmtes Tempo zu gewöhnen, da wir ja pro Stunde verdienen, wer ackert sich da schon wie ein wilder ab um die Kisten voll zu bekommen. Wir durften mit Thomas arbeiten, ein Franzose der mit 24 Jahren nach Australien kam, da seine Frau von hier stammt. Er hat einen sehr netten Akzent, Tracy spricht in der Stimmlage wie Miss Piggy nicht so angenehm, aber was will man machen. Gegen 10. 30 Uhr hieß es dann auf einmal Tea Time. Wir, bitte was? Naja es ist Tea Time, wir gehen jetzt zusammen runter in die Küche und trinken einen Tee. Wir meinten dann, dass wir das nicht wollen und ja auch gerade mal 3 Stunden gearbeitet haben, also warum schon wieder eine Pause. Murray war zu diesem Zeitpunkt unterwegs, also mussten wir Thomas Aufforderung nachkommen. Da saßen wir dann eine halbe Stunde dumm rum und warteten einfach nur, dass wir wieder aufs Feld konnten. Natürlich sollten wir von dem Tee trinken, was wir selbstverständlich verneinten, sind ja absolut keine Teetrinker. Nach einer gefühlten und vertanen Ewigkeit hieß es weiter picken, bis zur Mittagspause wo wir wieder 1 Stunde machen mussten. Um 17 Uhr kam Murray und sagte so das war’s dann wieder für heute. Die zwei Jungs waren mitten in ihrer Reihe und er schickt uns weg.

Das soll einer verstehen, ehrlich, wenn er Pech hat regnet es in den nächsten Tagen und keiner kann was arbeiten, also wieso kann man nicht wenigstens solange das Wetter es hergibt, auch die Zeit nutzen, einfach nur crazy hier. Wir müssen natürlich im Moment nur Chardonnay Trauben sammeln, dass ist das kostbarste an Ernte was er hat, erklärte er uns noch ein paar Stunden vorher, ja und wieso dürfen wir dann die Ernte nicht ins Trockene bringen??? Wir verstehen die Welt nicht mehr.

Unser dritter Tag, der Muskelkater in den Beinen und die Schmerzen im Rücken lassen langsam nach. Wir halten uns immer wieder vor Augen, wir haben jetzt Arbeit, ist ja das was wir wollten also durchhalten. Gegen 10. 30 Uhr wieder Tea Time, diesmal ist Murray mit auf dem Feld, wir gehen zu ihm und sagen, können wir nicht weiter arbeiten, wir trinken keinen Tee und wollen jetzt keine Pause machen. Was sagt er, nein das möchte er nicht, wir sollen alle unten zusammen sitzen und es soll hier keiner 5 Stunden am Stück arbeiten. Ja ist klar, ist schon ne harte Nummer so 5 Stunden am Stück zu arbeiten. Wir unterhielten uns mit den Jungs, auch sie haben dafür echt kein Verständnis und meinten, dass die Australier echt faul sind und keine Ausdauer haben. So was ist doch in Deutschland unvorstellbar, oder? Gegen Nachmittag hat es mal wieder zu regnen angefangen, hatten wir ja lange nicht. Am Anfang war es nur ein leichtes nieseln, da durften wir weiter machen, später wurde es etwas stärker, da wurde abgebrochen, wir dachten ok unterstellen bis es aufhört und dann nochmal 2 -3 Stunden ran. Pustekuchen das war’s mal wieder für heute gewesen.

Wir könnten hier echt platzen, ausrasten und verzweifeln was die Arbeitsmoral der Leute hier angeht, aber da wir es nicht ändern können, müssen wir lernen uns damit abzufinden. Eigentlich sollen wir hier jetzt so 4 – 6 Wochen arbeiten, hängt noch vom Wetter ab. Das wir noch ganz schön hart für uns werden. Nicht die Arbeit an sich, wir denken die Tomaten haben uns echt abgehärtet, sondern die Leute hier. Es gibt wirklich oft Situationen wo man sich auf die Zunge beißt, nichts sagt und seine Gedanken runterschluckt. Wir haben auch schon überlegt wieder zu wechseln, aber das Schlimme ist, dort wäre es wahrscheinlich auch nicht besser, dafür haben wir hier schon zu viel ausprobiert. Also heißt es durchhalten.

Am 4 Tag hielt sich das Wetter schon wieder in Grenzen und morgens pfiff ein echt frischer Wind durch die Reihen, eigentlich fast mit einem Herbsttag bei uns in Deutschland zu vergleichen. Gegen Mittag kam sogar etwas die Sonne raus, aber hielt sich leider nicht lange und verlor gegen die Wolken, die etwas Regen brachten. Wir durften aber weitermachen, da es wirklich nur nieselte, hörte auch ziemlich schnell wieder auf. Wir pickten und pickten, wir sehen abends wenn wir die Augen zumachen echt Trauben, verrückt oder?

 Murray schickte uns dann auf ein anderes Feld wo wir anfangen sollten zu ernten. Wir 4 Backpacker wollten gleich loslegen, doch Tracy unsere kleine Miss Piggy meinte dann zu Murray, oh der Himmel da hinten ist ganz schön dunkel, es könnte dann schon noch regnen, sollen wir wirklich noch mit den Reihen anfangen! Alter Schwede und wieder eine Situation wo man sich denkt, mach doch einfach mal was der Chef sagt. Zu unseren Gunsten meinte Murray aber ja ja fangt mal an, so schafften wir es  wirklich 8 Stunden zu arbeiten. Er fragte dann gleich, ob wir denn Samstag und Sonntag auch arbeiten könnten, ja für was sind wir denn hier??? Wir arbeiten auch die 4 Wochen durch, wenn’s sein muss. Arbeiten und Geld verdienen damit die Reise weitergehen kann.

Wir wurden auch vor einer der Mittagspause gefragt ob wir noch eine Reihe pflücken wollen oder lieber gleich Pause machen wollen. Man muss dazu sagen, dass eine Reihe so circa eine halbe Stunde dauert, was ja wirklich nicht lang ist. Da die zwei Jungs nichts sagten, nahmen wir das in die Hand und meinten ja machen wir noch eine Reihe. Am selben Tag gegen 17 Uhr fragte uns Murray macht ihr Schluss für heute wie Thomas und Tracy oder macht ihr noch eine halbe Stunde? Wieder nichts von Seiten der anderen Fraktion, so wir wieder, klar machen wir noch eine halbe Stunde. Darauf meinte Thomas zu Murray, du darfst nicht die Deutschen fragen die sagen immer ja wenn es ums arbeiten geht:-) , ja wir wollen hier ja auch keinen Urlaub machen.

Am Sonntag haben wir frei mal sehen was wir da unternehmen werden, Wetter soll ganz gut werden, aber in Orange gibt es nicht so viel Sehenswertes.


Donnerstag, 1. März 2012

Panoramas

Hier ein paar kleine Panoramas die in der Zeit seit dem wir hier sind entstanden sind! Einfach auf das Bild klicken um in die Galerie zu gelangen.
Panoramas

Dunkle Trauben, helle Trauben

Einmal wieder anders als geplant verlief der nächste Tag. Wir besuchten einen botanischen Garten in den Blue Mountains, in dem gab es einen Teich in dem sogar Koi Karpfen umherschwammen. Am Abend hatten wir von der ganzen frischen Luft so einen Hunger, dass wir erst mal zum Maccas gefahren sind und uns eine sehr günstige Familienbox zusammenstellen ließen. Gegessen wurde der Inhalt auf unserem Campingplatz. Gesättigt schliefen wir ein. Der nächste Tag wurde wieder etwas genutzt im Umland nach Arbeit zu fragen. Die Apfelernte ist hier aber schon rum, bei einigen anderen ging es noch gar nicht los. Durch Zufall, gelangten wir an ein kleines Weingut, welches eine halbe Stunde von Orange entfernt liegt. Nach einem Telefonat war klar wir können kommen und morgen mit der Arbeit beginnen. Also hieß es mal wieder zusammen packen und los gings gegen Nachmittag Richtung Orange. Wir kamen sogar weiter als geplant und konnten die Nacht in Orange auf einer Picknick Area verbringen. Kurz bevor wir diese erreichten, erhielten wir einen Anruf von Thomas, ein anderer Winzer, bei dem wir uns beworben hatten. Er sagte uns auch zu und meinte nächste Woche Dienstag könnt ihr anfangen, soweit alles super. Wir schrieben noch eine E-Mail an unsere HelpX Familie, zu der wir ja eigentlich morgen kommen sollten. Da arbeiten aber vorgeht, damit man sich in diesem günstigen Land, wenigstens was zu essen leisten kann, sagten wir der Familie ab. Schrieben aber auch gleich mit rein, dass wir nach dem arbeiten, unseren Besuch auf jeden Fall nach holen möchten. Wir bekamen sofort eine nette Nachricht zurück, in der uns vollstes Verständnis entgegengebracht wurde und wir sollten uns doch melden wenn die Zeit gekommen wäre.

 Am nächsten Morgen gings dann nach Molong. Wir trafen auf David der uns nach ein paar Fragen die Weinstöcke zeigte und uns erklärte dass wir nicht wie gedacht die Trauben ernten, sondern mehr erst mal nur Pflege betreiben sollen. Heißt durch die Reihen laufen und die hellen, grünen Trauben rausschneiden, da diese zu viel Säure haben und dann den Geschmack verderben. Da hier nicht mit der Hand geerntet wird, sondern maschinell war das wohl ein wichtiger Job. Wir liefen also Reihe für Reihe durch und zogen die schlechten raus. Man muss sagen, auf Dauer ist das ständige stehen oder laufen auch anstrengend und die Beine fühlen sich an, wie wenn an ihnen Zementsäcke hängen würden. Trotz allem ist das unser angenehmster Feld Job bis jetzt gewesen. Gegen 17 Uhr holte uns David vom Feld und erlöste uns von unserem Elend. Es ist an sich kein harter Job, aber wenn man so viele Tage wieder nichts gemacht hat und auf einmal endlos laufen muss, ist das schon etwas barbarisch. Er zeigte uns wo wir den Van parken konnten, legte uns ein Stromkabel, zeigte die Toilette mit Dusche. Anschließend fragten wir ihn wann wir denn morgen mit dem Arbeiten beginnen sollten, da meinte er nur: it´s up to you!! Großartig diesmal hatten wir echt Glück mit dem Job, konnten uns die Zeit frei einteilen, hatten einen kostenlosen Stellplatz direkt auf dem Gelände und zum Schluss drückte er uns auch noch eine Flasche Wein in die Hand und verabschiedete sich. Nun waren wir ganz allein auf diesem riesen Weingut, es war total idyllisch. Man hörte nur die Vögel zwitschern oder kreischen, je nach Art und einige Frösche quakten. Wir kochten uns unser Abendessen und genossen dieses auf der Terrasse des Weingutes, natürlich gab es den Wein dazu. Wir konnten währenddessen einige Hasen und Cockis beobachten, die sich das satte, grüne Gras etwa 20 Meter von uns entfernt schmecken ließen. Nach einer wohltuenden Dusche ging auch wieder dieser Tag zu Ende.

Wir wurden am nächsten Morgen wirklich nur vom Wecker wach, so still war es dort. Nach dem Frühstück gings raus aufs Feld und es hieß wieder helle Trauben, dunkle Trauben, helle Trauben……. Reihe für Reihe Wahnsinn das man wirklich für so eine Reihe bis zu 22 Minuten braucht, diese Zeit stand uns zumindest zu, also haben wir sie auch ausgenutzt. Gegen 18 Uhr machten wir Feierabend weil wir dringend in die Stadt mussten, da unsere Essenvorräte ziemlich erschöpft waren. Wir hatten morgens noch David gefragt, wie lange denn das Geschäft aufhaben würde? Er meinte bis 19 Uhr, was uns schon etwas verwunderte, da es für hier ziemlich lang ist, aber er wohnt ja hier, also muss er es ja wissen. Wir fuhren in den Ort Molong und alles war mal wieder ziemlich ausgestorben, natürlich war auch der Spar hier nicht mehr geöffnet. War ja mal wieder klar!!! Da wir jetzt aber eh schon in der Stadt waren, tankten wir und gönnten uns ein Eis. Es ging zurück aufs Weingut, wo wir wirklich unsere letzten Vorräte verputzten.

Wir erwachten wieder bei Sonnenschein und fuhren gegen 8 auf einen anderen Block, wo wir auch säubern sollten. Als wir gerade los fahren wollten, sahen wir einen Fuchs durch die Reihen streifen, wahrscheinlich war er auf der Suche nach den Feldhasen die hier ziemlich zahlreich vorhanden waren genau wie Spinnen, Heuschrecken, Raupen, Schmetterlinge, Fliegen, Raben, Feldmäuse usw. Was uns auch aufgefallen ist, wenn man so durch die Reben lief, es lag ab und zu ein Duft von Zuckerwatte in der Luft. Wenn man dann mal wieder in ein riesen Spinnennetz gelaufen war, welches quer über 2 Reihen hing und man die Weben aus seinem Gesicht zog, hatte dies auch etwas von Zuckerwatte :-). Gegen Mittag gab’s eine Pause wo wir in einem zweiten Anlauf in die Stadt fuhren um einzukaufen. Diesmal klappte alles, wobei man wirklich immer wieder erschreckt, wenn man die Summe auf dem Einkaufszettel sieht und dann einen Blick in den fast leeren Wagen wirft. Nach einer Stärkung gings weiter in den Weinreihen und wir arbeiteten sogar bis 19 Uhr, da für die nächsten Tage nicht das beste Wetter vorausgesagt wurde. Was erledigt ist, ist erledigt!!

Da der nächste Morgen ein Sonntag war, der Himmel ziemlich grau und bedeckt, war es schon sehr verlockend für uns, einfach liegen zu bleiben. Zu genießen dass heute auf dem Gut nichts los war und einfach im Bett gammeln, wie an einem regnerischen Herbstsonntag in Deutschland. Wir rappelten uns aber doch auf, da für morgen das Wetter noch schlechter sein sollte und ab Dienstag sollten wir ja bei dem anderen Winzer sein. Also machten wir uns wieder aufs Feld. Nach ca. 2 Stunden fing es etwas zu nieseln an, was das Arbeiten nicht ganz so angenehm machte, da die Büsche dann nass waren, wir natürlich auch. Es fing an zu regnen, es hörte auf. Die Pausen dazwischen, wurden leider immer kürzer bis es irgendwann nur noch durchregnete. Da es jetzt aber keine Wasserfälle waren, die runter kamen, machten wir tapfer weiter. Als es doch einiges mehr wurde, machten wir Mittagspause im Van. Echt scheiße wenn die Arbeit vom Wetter abhängig ist. Wir überlegten abzubrechen und morgen den Rest zu machen, dann sagten wir uns allerdings, nass sind wir jetzt eh, es sind nicht mehr so viele Reihen, komm wir ziehen es durch. Gesagt, getan. Gegen 17 Uhr waren wir fertig und genossen die heiße Dusche. Da wir um das finanzielle zu regeln, eh bis morgen bleiben mussten, machten wir uns Abendessen. Es gab Wraps, welche total lecker waren, es blieben 4 Fladen übrig, sodass wir diese später am Abend in einer Pfanne warm machten und mit Nutella genossen, das war spitze. Wir verbrachten unsere letzte Nacht in der Stille.

Gegen 9.15 Uhr am nächsten Morgen, kam der Vater von David und regelte mit uns die Finanzen. David war immer noch in Sydney und wäre erst gegen Nachmittag da gewesen, so lange wollten wir nicht warten. Wir bekamen einen Scheck und der Vater meinte wir sollten doch mit ihnen in Kontakt bleiben, evtl. hätten sie in ein paar Wochen, wieder Arbeit für uns.

Gut gelaunt fuhren wir wieder nach Molong um dort den Campingplatz aufzusuchen. Er war ein kleiner Glücksgriff, mal abgesehen davon, dass sich auch dort wieder sehr komische Gestalten aufhielten. Wir mussten nur 19 AUD zahlen mit Strom, was für hier sehr günstig ist. Das Beste aber war, sie hatten Waschmaschinen und einen Trockner den man gratis benutzen durfte. Bei diesem Wetter sehr angenehm, da wir 4 Maschinen zu waschen hatten und es mal wieder zu regnen angefangen hatte. Der Trockner machte sich dadurch sehr bezahlt, ansonsten trocknen wir eigentlich immer draußen auf der Leine. Wir sparten durch die Nulltarifmaschinen auf jeden Fall ordentlich Geld und hatten mal wieder alles frisch gewaschen!

 Wir entdeckten am Straßenrand noch eine Art Schrottplatz wo es alles Mögliche zu kaufen gab. Es gab Figuren, alte Kassetten, Taschen, Gläser, Postkarten aber eben auch Schrott. Der Inhaber war wohl einen Art Künstler, irgendwie aber auch ein bisschen Messi, aber seht selber auf den Bildern.
Da wir ja wieder mal ein paar Tage fleißig gearbeitet hatten, wollten wir uns am Abend eine Pizza gönnen. Wir fragten die Inhaberin des Campingplatzes, wo man hier Pizzen essen könnte, da meinte sie da müsst ihr wohl die 30 km nach Orange fahren, hier gibt es nichts. Wir dachten uns schon wieder, oh Mann, das darf doch wohl nicht wahr sein, wir fahren ja jetzt keine 60 km um Pizza zu essen. Ihr fiel dann doch das Hotel/ Pub im Ort ein, wo man Pizzen ab 18 Uhr haben könnte. Also machten wir uns auf ins Pub, es war schnell gefunden und wieder mal waren wir erstaunt, dass man hier nicht nur sein Bierchen an der Bar zischen konnte und was Essen konnte, nein es gab auch wieder viele TVs in denen Wetten angezeigt wurden und Tafeln auf denen man wetten konnte. Wir saßen an der Bar, tranken ein Bier und bestellten uns 2 Pizzen. Wir warteten und beobachteten die Leute. Wir hatten echt Hunger, nachdem eine Stunde vergangen war, wir aber immer noch keine Pizza hatten, fragte Lukas mal höflich nach, was denn mit ihnen ist? Die Bedienung meinte: Oh die müssten ja schon längst fertig sein, ich schau mal nach. Nach 2 Minuten war sie mit unseren Pizzen da, nur leider waren diese kalt, da sie schon etwas standen und irgendwie vergessen wurden. Wir wollten natürlich keine kalten essen, also verlangten wir dass sie neu gemacht wurden. Wir fragten wie lange es denn dann diesmal dauern würde, da bekamen wir die Antwort keine 10 Minuten. Ja hallo für was hatten wir denn, jetzt eine Stunde in diesem Schuppen gesessen!!! Es waren 3 Bedienungen an der Bar und der Chef selber war auch noch da und keiner kam mal auf die Idee zu fragen was mit den Pizzen ist, die seit einer geraumen Ewigkeit in der Ecke stehen. Hier musst du echt Kerngesund sein. Wir bekamen unseren frischen, warmen Pizzen und eine Entschuldigung von der Bedienung, dass es ihr ja so leid tut und sie sich so schlecht deswegen fühlt. Die Australier entschuldigen sich wirklich ständig und für alles, das ist schon ziemlich nervig, zumal es ja nicht direkt ihre Schuld war, der Chef hatte nämlich unsere Bestellung aufgenommen.

Wir verließen den Campingplatz am Dienstagmorgen in Richtung Orange, der erste Weg führte uns auf die NAB Bank, in dieser wollten wir den Scheck einlösen. Wir hätten auch zu unserer Bank gehen können, da der Scheck aber von der NAB war und es hier mindestens 3- 4 Tage dauert, das Geld von der einen, auf eine andere Bank zu überweisen, bevorzugten wir es cash. Daraus wurde aber auch wieder nichts, da die nette Dame am Schalter meinte, wer denn den Scheck ausgestellt hätte. Darauf wir keine Ahnung wie der Mann heißt, es war das Weingut soundso. Darauf sie, den kann ich so nicht einlösen da fehlt eine Unterschrift.

Wirklich jedes Mal wenn wir hier von Leuten mit einem Scheck bezahlt wurden gab es Probleme, war jetzt schon das zweite Mal. Vielleicht sollten die Australier mal auf Überweisungen umsteigen, wenn sie das mit den Schecks nicht peilen.

Wir also raus aus der Bank wieder ans Auto und diesen Vater angerufen, der ihn ja ausgestellt hatte. Der natürlich ziemlich ratlos, wir hatten aber auch keine Lust, jetzt wieder ca. 100 km zu fahren nur wegen der Unterschrift, welche er ja vergessen hatte. David meinte dann er regelt das mit der Bank. 15 Minuten später kam dann der Anruf geht nochmal rein, sie machen das jetzt. Natürlich gab es von ihm auch wieder die Standardentschuldigung: We are soooo sorry about this. Ja dann einfach mal vorher drüber nachdenken was man macht, anstatt immer diese Entschuldigungen!

Wir nochmal rein in die Bank, zufällig erwischten wir genau dieselbe Dame wieder und siehe da es ging. Natürlich nicht komplikationslos, aber dann wäre es ja auch langweilig gewesen. Wir mussten einen Ausweis oder irgendwas zeigen, wo die Unterschrift drauf ist. Lukas hat immer nur den Führerschein einstecken und Verena hatte mal wieder gar nichts dabei, also probierten wir es mit dem Führerschein. Die Frau schrieb dann irgendwelche Sachen ab, danach stockte es schon wieder etwas, bis sie uns nach Minuten fragte, gibt es denn kein Ablaufdatum? Nein es gibt darauf kein Ablaufdatum, daraufhin verschwand sie hinter einer Wand, um das Ganze wohl nochmal mit einem Vorgesetzten zu diskutieren. Egal, sie kam dann wieder und nach 10 Minuten hatten wir endlich unser Geld. Was für eine Geburt. Wir gingen zu unserer Bank zahlten den Großteil des Geldes ein, dann hieß es erst mal richtig einkaufen um die Vorräte aufzufüllen. In Molong gab es ja nur den teuren Spar, da wurde nur das nötigste besorgt.

 Anschließend fuhren wir noch etwas durch die Stadt, was uns dabei immer wieder auffällt, umso größer die Stadt umso mehr Atzen auf der Straße. Man sah wieder Typen rumschleichen, da wird es einem anders.

Wir fuhren weiter auf das zweite Weingut, wo wir schon von Murray erwartet wurden. Das ist der Winzer hier, dieser Thomas ist wohl nur ein Angestellter der aber die Einstellung der Neuen Leute übernommen hatte. Murray ist ein ca. 50 Jahre alter Mann der ziemlich doll schielt, aber super nett ist. Er zeigte uns die Toiletten, die Dusche, eine offene Küche und eine Art Wintergarten, was wir alles benutzen dürfen ohne was zahlen zu müssen. Das ist ziemlicher Luxus für uns, natürlich nicht die Sanitären Anlagen, die haben mal wieder die besten Jahre hinter sich, aber das wir hier umsonst stehen dürfen, Strom haben und keine Campingplatzkosten, welche ja auch immer noch Fahrzeit in Anspruch nehmen. Gegen Abend brachte er uns sogar noch einen Fernseher runter, echt lieb und eine Flasche Wein durfte natürlich nicht fehlen.

Arbeiten ist momentan leider noch nicht angesagt, da wir hier im Moment ziemlich mieses Wetter haben. Es sind gerade mal noch 20 Grad, es regnet, windet und ist einfach nur ekelhaft. So richtiges Herbstwetter. Wir sollten dann ab heute anfangen zu ernten, aber mal wieder regen, jetzt ist es wahrscheinlich verschoben auf Montag, mal sehen, uns bleibt im Moment nichts anderes übrig als abwarten und auf besseres Wetter zu hoffen.

Gestern Abend windete es ziemlich, als dieser endlich aufhörte, fing eine Kröte an total laut zu quaken. Nach einiger Zeit hatten wir den Eindruck, dass es fast wie ein Hund klang, was aber ja eigentlich nicht sein konnte. Es quakte und jammerte immer weiter, bis Lukas meinte ich muss jetzt doch mal schauen, was das ist. Tatsächlich saß da ein Hund an unserem Van und jaulte. Er war mal wieder total hässlich, ähnlich wie der von Silvester nur viel, viel kleiner. Wir gingen raus und schauten nach ihm, er war total lieb, rollte sich gleich auf den Rücken und wollte gestreichelt werden. Wir gaben ihm etwas Wasser, ließen eine Tür von einem Raum hier offen, damit er nicht im Regen schlafen musste, das wollte er aber nicht. Lief uns natürlich wieder nach und saß wieder jaulend und kläffend vorm Van. Nach einiger Zeit hörte er endlich auf. Am nächsten Morgen war er immer noch da, es stellte sich raus, dass er dem Winzer gehört und Coco heißt.

Um die Zeit totzuschlagen, schauen wir einige Filme auf unserem Laptop, natürlich alle in Englisch. Heute hatten wir dazu aber keine Lust und fuhren in die 13 km entfernte Stadt Orange um etwas zu schlendern. Kaum dort angekommen, fing es wieder an zu regnen, also blieb uns nichts übrig, außer in eine der vielen Einkaufspassagen zu gehen, um Zeit zu schinden. Wir sahen uns verschiedene Geschäfte an kauften uns sogar Memory und UNO, aber viel interessanter waren mal wieder die Australier. Teilweise sehen sie aus, wie gerade von der Couch aufgestanden, bei anderen ist die Kleidungszusammenstellung ein Highlight. Es fehlte auch mal wieder nicht an Teenie Müttern die mit ihren 2 Bälgern total überfordert waren, das dritte aber schon wieder im Ofen hatten. Einige Atzen Familien konnte man auch beobachten, die dann wie in Deutschland, nachdem einkaufen, in ein Taxi steigen um nach Hause gefahren zu werden. Dann die ganzen Schulkinder, die in ihren Uniformen durch die Läden laufen und draußen vor der Passage die Kinder, die die Schule nötig hätten, aber nicht mehr hingehen und grölend, rauchend und spuckend davor rumlungern. Nicht zu vergessen die vielen wohl geformten Körper, die hier ihre vollen Massen in Leggings und kurzen Oberteilen zur Schau stellen. Wir haben echt den Eindruck, dass es hier ziemlich wenig normale Leute gibt.

 Als wir auf unser Weingut zurückfuhren hingen richtige Nebelschwaden in der Luft und es kübelte aus Eimern, echt ätzend dieses Wetter. Wir hoffen auf besseres und werden uns dann wieder melden.

Dienstag, 21. Februar 2012

Weiter Richtung Ostküste

Am nächsten Morgen entschieden wir, dass es mal wieder dringend an der Zeit war unsere Wäsche zu waschen und den Abwasch zu machen.  Ein Campingplatz in Young war unser Ziel. Wir buchten gleich 2 Nächte um uns etwas von der Feldarbeit zu erholen. Auf diesem Campingplatz tummelten sich ziemlich viele Tiere, wir sahen Hasen einfach über den Platz hoppeln, eine Gottesanbeterin, Eidechsen, einen Frosch und einen Gecko.

Frisch und erholt ging es dann ein ganzes Stück weiter ins Landesinnere über ein kleines Dorf das den Namen eines hier sehr bekannten Tieres (Wombat) trägt weiter nach Hay.  Auf dem Weg dorthin sah man wieder ewig nur Felder, Büsche und einige Bäume ansonsten nichts, echt Wahnsinn.
Dort hatten wir einen super Schlafplatz gefunden, direkt am Fluss, nicht weit von der Stadt aber schön ruhig. Es war sogar mal ein Platz wo ein riesen Schild stand das Campen willkommen ist, diese Schilder sieht man in Australien nicht ganz so oft. Es sind in der Regel immer mehr die riesen Verbotsschilder die einem ins Auge fallen und über das gesamte Land verstreut sind – Deutschland ist da ein Witz dagegen. Wir besuchten hier das kostenlose Schwimmbad, in dem weder an einem Samstag noch an einem Sonntagmittag, bei 32 Grad und strahlendem Sonnenschein wirklich was los war. Wir fragen uns echt immer öfter was die Australier so für ein Völkchen sind. In Deutschland wäre so was ja undenkbar- super Wetter, kostenloser Eintritt und dann 5 Mann im Schwimmbad. Teilweise war ich sogar ganz alleine im Wasser am Bahnen ziehen, natürlich war dies sehr angenehm, wenn einem nicht ständig jemand im Weg ist.

Noch so eine Sache, wir verließen gegen 17 Uhr das Schwimmbad und wollten noch ein paar Kleinigkeiten zu Essen besorgen, leider waren schon alle Geschäfte dicht und kaum noch jemand auf den Straßen zu sehen. Es ist schon super, dass die Geschäfte hier von Montag bis Sonntag geöffnet sind, aber bei diesen Öffnungszeiten! Das in einer Stadt mit 2600 Einwohnern (für  Australien und Inland ist das recht groß). Was machen die Leute den ganzen Tag??? Vielleicht finden wir es noch raus!

Wir besuchten am nächsten Tag ein altes Gefängnis (die Wurzeln des australischen Kontinets) in Hay. Es war ganz interessant gemacht, man konnte durch den alten Zellengang laufen und in jeder alten Zelle waren die verschiedensten Dinge ausgestellt wie z.B. Waffen oder eine alte, original eingerichtete Zelle.

Unsere Fahrt führte von Hay nun nach Wagga Wagga. Wir fuhren 120 km durchs nichts, es kam ein Hotel ansonsten nur Äcker und ganz weit im Landesinneren konnte man einige Farmen erkennen, diese waren aber auch an einer Hand abzuzählen. Das ist für uns so unvorstellbar in so ner „Stadt“ zu wohnen wo man fast 2 Stunden fahren muss um in eine etwas größere Stadt zu kommen, wo dann die Lebensmittelgeschäfte evtl. auch mal bis 20 Uhr offen haben und man einen McDonalds oder ähnliches findet. Uns wird immer öfter klar, dass das hier kein Flecken Erde ist, wo wir für längerfristig bleiben wollen würden. Einige Ecken sind super schön anzusehen und man kann echt gut reisen, aber hier leben – Niemals!

In der größeren Stadt Denilliquin, kamen wir dann auch mal wieder in eine Polizeikontrolle. Es wurde ernsthaft ein Straßenabschnitt von mehreren Polizeiautos dicht gemacht, diese standen dann da mit ihren Blaulichtern an und alle Polizisten draußen auf der Straße und sie winkten die Leute an den Straßenrand. Es war ein Montag und 13.30 Uhr, Lukas musste mal wieder seinen Führerschein zeigen und dann auch wieder blasen. Die Polizisten überprüften auch unsere KFZ Zulassung. Man muss dazu sagen, dass die sogenannte REGO mit einem Aufkleber an der Frontscheibe in der Regel gleich gut zu sehen ist, außer wenn das Auto in Western Australia zugelassen wurde :-). Als die Polizisten das sahen, konnten sie es kaum glauben und mussten mehrmals nachfragen, seid ihr wirklich aus Western Australia? Nachdem alles geklärt war, ging es weiter nach Wagga Wagga. Sie ist NSW größte Inland Stadt mit 46.700 Einwohnern. Wir schauten uns die Stadt an, sie hat ein ganz merkwürdiges riesen Krankenhaus, welches aber überhaupt nicht wie eins aussieht. Es ist ein 8 stöckiges altes, rotes Steingebäude, das eher an eine alte Fabrik oder so etwas erinnert.

Wir versuchten unser Glück eine Arbeit zu finden. Aber auch hier wieder nichts Passendes. Es gab eine Schlachtfirma die Leute sucht, aber dieses Kapitel hatten wir ja schon. Dann gab es eine Familie aus England, die im März nach Australien kommt um hier zu arbeiten und zu leben, diese wollten uns 3-mal wöchentlich für je 3 Stunden haben. Wäre bestimmt ganz interessant gewesen, es wurde auch eine gute Bezahlung angeboten aber damit kommen wir auf keine Stunden. Die Jobagenturen hier, können einem auch nicht wirklich helfen, da wir keine Einwohner sind.

Auf unserem Übernachtungsplatz einer öffentlichen Wiese mit Toiletten, BBQ und Wasser hätte man meinen können wir stehen auf einem Campingplatz. Doch wir haben den Campingplatz in Wagga gesehen, dort war nicht so viel los, wie da wo wir standen. Es ist echt Wahnsinn, was die Australier für riesige Wohnwägen hinter ihren total zugeladenen Autos dann auf so einen Platz ziehen. Da werden dann der Generator, die Satellitenschüssel, Fotovoltaikzellen, eigene Duschzelte, Wäscheständer, Bügelbretter und sogar Waschmaschinen aufgebaut.  Diese riesen Schiffe haben bestimmt teilweise den Wert einer Doppelhaushälfte. Natürlich gibt es auch immer eine andere Seite auf solchen Plätze, die Leute die hier immer in ihren kleinen Zelten wohnen. Wir waren einmal nachts noch auf der Toilette, wo uns 2 Jungs ansprachen. Sie waren vielleicht so um die 20 Jahre alt, stanken nach Alk ohne Ende, hatten kaum noch Zähne im Mund und wollten wissen wie Lukas heißt. Wir unterhielten uns kurz mit ihnen und sie erzählten, dass sie immer hier wohnen!!!

Wir besuchten den botanischen Garten, war nicht wirklich sehenswert wenn man die Gärten in den Großstädten gesehen hat. Was aber ganz nett war, es gab einen kleinen Zoo direkt nebenan, dieser kostete sogar keinen Eintritt (hier kostet normalerweise alles etwas) und man konnte einige Tiere sehen und füttern. Viele Pfauen liefen frei im Zoo rum. Was schön anzusehen war, es gab ein Gehege für Meerschweinchen, die hatten eine riesen Burg drin stehen. Es gab einen Wassergraben drum rum und viele kleine Balkone in dem Komplex. Ein Meerschwein lag auf einem der Balkon und schlief. Nachdem Esel, Hühner, Schweine, Alpaccas und Kängurus gefüttert waren, schlenderten wir noch etwas durch die Stadt.

Wir liefen durch eine große Einkaufspassage, in der schon wieder alle Geschäfte um 17 Uhr geschlossen hatten, außer ein Alkoholladen und ein Lebensmittelladen. Alkoholläden gibt es hier immer extra oder sie sind mit drin in größeren Ketten, ansonsten gibt es hier keine Möglichkeit Alkohol zu kaufen. Diese sogenannten Bottleshops sind teilweise so groß, dass es einen Drive In gibt. Die sind auch immer gut besucht, obwohl auch das hier echt teuer ist. Wir haben ein Sixer Bier gekauft, das kostete ungefähr 12 Euro und war kein besonderes Bier und noch im Angebot!
Unsere Fahrt ging weiter Richtung Sydney, doch bevor wir uns die Stadt anschauen, machten wir einen kleinen Ausflug in die Blue Mountains. Ein Nationalpark mit unglaublich viel grün, wo es immer aussieht als wäre es neblig. Das liegt an den vielen Eukalyptusbäumen, die durch die Hitze ihre Öle absondern und die steigen dann auf in die Luft, was den Nebel erzeugt. Beim ersten Besuch fing es unglaublich zu schütten an, so dass wir den Ausflug abrachen. Wir fanden einen Schlafplatz direkt in dem riesen Nationalpark. Er war total ruhig an einem kleinen Fluss gelegen ganz unten in einem Tal. Am nächsten Morgen besuchten wir dann nochmal den Wentworth Wasserfall und die bekannten 300 Meter emporragenden Three Sisters in Katoomba. Zu den 3 Schwestern gibt es eine Aborigine Legende und zwar sollen sie von ihrem Vater zu Stein verzaubert worden sein um sie von ihren Liebhabern fernzuhalten. 

Wir fuhren weiter Richtung Richmond das ist ca. eine Stunde von Sydney entfernt, auf einem Lookout konnte man die Stadt schon sehen. In Richtung Richmond fuhren wir, da in unserem Campingatlas steht, dass dort ein Platz ist mit Duschen, Toiletten, Strom usw. und das alles für umsonst. Ganz so zum Träumen war es da dann doch nicht, der Platz existiert man darf auch 3 Nächte dort übernachten, muss dafür aber in einen „Club“ eintreten, der wie ein Casino wirkt. Es wurde der Führerschein verlangt, ein Foto geschossen und zack hatte Lukas seine Mitgliedskarte, diese ermöglichte uns den Zutritt zum Campingplatz. Nachdem die 4 AUD Mitgliedspauschale bezahlt waren, wollten wir uns im Casino noch etwas umschauen. Es war Sonntagnachmittag 15.30 Uhr, draußen mal wieder strahlender Sonnenschein und man war echt überrascht wie voll der Club war. Es gab ganz viele verschiedene Spieleautomaten, die auch von den älteren Herrschaften in diesem Ort sehr gerne genutzt werden. Es spielte eine Band, es gibt ein riesen Essensbereich, einen großen Garten zum Relaxen und eine Tombola, Dort sah man lauter iPods und PCs usw. rumstehen.
Wir gingen rüber auf den Campingplatz, er ist sehr großzügig von der Stellfläche, allerdings gibt es nur 2 Toiletten und in diesen befinden sich auch gleich die Duschen. Sprich wenn jemand auf dem Klo sitzt und sein Geschäft erledigt, ist dann eine Kabine erst mal dicht. Da aber nicht viele Leute hier sind, hatten wir bis jetzt noch keine Probleme eine Kabine zu erwischen.

Wir haben auch wieder nach Jobs gesucht und eine Kleinanzeige auf einer sehr bekannten australischen Seite geschaltet. Einfach nur dass ein deutsches Pärchen Arbeit sucht. Gestern Abend bekamen wir eine SMS, in der jemand fragte ob wir immer noch nach Arbeit suchen? Wir schrieben zurück „Yes“. Daraufhin kam eine SMS (original SMS):  „can you both doing private show please? Nobody watch just me“. Ja was soll man dazu sagen!

Leider ist das Wetter die letzten Tage ziemlich schlecht, es ist schon so um die 28 Grad warm, aber es scheint die Sonne und zehn Minuten später regnet es was das Zeug hält. Dann wieder Sonne, dann wieder ein paar Stunden nur Regen und Gewitter. Auf Grund dieser Wettersituation, die das Leben im Auto nicht wirklich einfacher für uns macht, haben wir uns entschlossen, erst mal nicht nach Sydney zu fahren. Wir haben uns über HelpX mal wieder ein Pärchen ausgesucht, die 4 Hunde haben und etwas Hilfe beim Ausmisten ihres Hauses benötigen. Dort geht es dann als nächstes hin wir werden berichten.

Ach ja, Lukas war im Barber Shop! Endlich wieder kurze Haare! Der Friseur war ein (wahrscheinlich) Chinese, der kein Wort Englisch gesprochen hat und immer nur freundlich grinste aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Preis von 13 AUD war sogar unschlagbar günstig.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Canberra – die unbekannte Retortenstadt

Nachdem wir am nächsten Morgen den Edward River verlassen hatten, beschlossen wir in Richtung Canberra zu fahren. Viele sagen, da gibt es nichts zu sehen und die ganze Stadt ist total hässlich. Wir sagten uns allerdings, wenn man schon eine längere Zeit durch Australien reist, sollte man schon mal die Hauptstadt gesehen haben, egal ob hübsch oder nicht.

Da waren wir nun in Canberra.

Die Stadt liegt total im grünen, hat auch wieder viele Parks und einen Fluss. Vor einigen Jahren hatte die Stadt wohl ihren Ruf als schläfrige Beamtenstadt weg, davon merkt man heute immer noch etwas. Die Leuten hetzen nicht so durch die Straßen und auch beim Autofahren heißt es, immer alles schön gemütlich, Beamten halt:-)

Am ersten Tag als wir ankamen hatten wir ziemlich gutes Wetter, da es aber schon  Nachmittag war, entschieden wir uns erst am nächsten Tag richtig die Stadt anzusehen.
Wir besuchten in mehreren Tagen das New Parliament House auf dem Capital Hill, davon gegenüber das Old Parliament  House, ein ziemlich bekanntes War Memorial, schlenderten durch die Innenstadt und fuhren auf einen Berg( Mount Ainslie), von wo man einen guten Ausblick auf die Stadt hatte. Da die nächsten Tage leider im Dauerregen vergingen, besuchten wir einige Museen. Davon gibt es hier reichlich, das Beste daran ist, alle kosten keinen Eintritt. Wir waren in dem Film und Sound Museum und im National Museum, dort wurde viel über die Entstehung Australiens gezeigt. Viel mit Filmen, Sachen zum Anfassen und zum Nachlesen, es war wirklich ganz interessant gemacht und was soll man an einem Regentag auch machen, wenn man kein richtiges zu Hause hat.

In diesem Zeitraum schauten wir natürlich auch immer mal wieder nach Jobs. Wir bekamen ein Angebot von einem Farmer, er suchte Leute die auf seinem Feld Zucchinis pflücken. Eigentlich hatten wir auf so eine Arbeit überhaupt keine Lust. Das Tomaten pflücken war so hart und anstrengend, dazu die nicht so gute Bezahlung. Aber wir dachten uns was soll´s, es ist sowieso Wochenende, da kann man nicht viel  bei der Arbeitssuche erreichen, also probieren wir es einfach.
Die Fahrt führte uns nach Young, eine Stadt so 3 Stunden westlich von Sydney. Das einzige warum man hier her kommt ist Arbeit, ansonsten gibt es nichts dolles. Die Stadt ist in Australien als die Hauptstadt der Kirschen bekannt und darauf sind mal wieder alle Einwohner sehr stolz, wie auf fast alles hier. Die Saison war allerdings schon im Januar vorbei, aber wir waren ja auch wegen der Zucchinis hier.

Wir sollten auf eine Farm kommen die 15 Minuten außerhalb liegt. Als wir morgens dort ankamen stand uns ein dicker, kleiner, haariger und ein bisschen arabisch aussehender Kerl gegenüber. Es stellte sich raus, dass es seine Farm ist. Er 28 Jahre jung, lebt hier mit seinen Eltern, seiner Frau und 4 Kindern. Er wohnt im „ Cottage“, seine Eltern in einem nicht kleinen Haus, nur das wir unter Cottage was ganz anderes verstehen als er. Es war eine total kleine, einfache Blechhütte. Er stellte sich später als Jo vor, zeigte uns wo wir parken und in den weiteren Tagen stehen sollten. Danach ging´s hoch aufs Feld. Die Farm ist echt riesig gewesen, die Zucchiniäcker hielten sich in Grenzen. Diesmal mussten wir nicht eine Bin voll machen, hier wurden wir nach Eimern bezahlt. Wir bekamen Handschuhe, jeder ein Messer und Jo zeigte uns wie man die kleinen Dinger richtig abschneidet. Dann durften wir loslegen.

Wusste jemand das Zucchinis von Kürbissen abstammen, eine riesen gelbe Blüte am Ende der Frucht haben und das sich, die Pflanzen an sich, sehr stachelig anfühlen, was an den Härchen liegt die dort zu tausenden sitzen. Letzteres war sehr unangenehm und man verlor viel Zeit beim Ernten, weil man immer wieder die Ärmel über die Handgelenke ziehen musste. Ansonsten war es zwar wieder anstrengend, aber ging besser von der Hand als das Tomaten pflücken. Nach den ersten 2 Stunden kam Jo vorbei und schaute nach uns, alles ok, er war auch zufrieden. Auf einem anderen Teil des Feldes, pflückte ein australisches Pärchen, welches schon seit 1 Monat auf der Farm ist. Man glaubt es kaum, aber wir beide waren mit unserem Feld schneller fertig, als diese beiden, so das Jo meinte geht mal rüber und pickt denen entgegen. Wir sprachen mit Jessica und Richard, beide waren sehr sehr höflich und waren froh, dass wir ihnen helfen wollten. Sie erzählten sie kommen aus der Nähe von Sydney und das sie alles was sie hatten verkauft haben, denn man kann ja auch mit ganz wenig glücklich sein. Das sind sie hier und alles was sie besitzen, passt in zwei Autos. Ja das waren wieder 2 Australier, wo wir uns dachten ok, muss ja jeder selber wissen was er mag, aber schon ziemlich schräg. Er war gerade mal 26 Jahre und sie 24 Jahre, natürlich waren sie auch verheiratet und wollten einfach mit ganz wenig leben. Für uns war klar, ganz nett aber mehr auch wieder nicht. Gegen 13 Uhr hatten wir beide Felder abgeerntet und die Arbeit für diesen Tag erledigt. Wir waren zwar müde und kaputt, aber wer sagt Zucchini ernten ist die Hölle, der hat noch keine Tomaten gepflückt!
Wir gingen zu Jo und sagten ihm, dass wir nicht zum Urlaub hier sind, sondern zum Arbeiten und mehr machen wollen. Er entschied, dass wir am nächsten Tag beide Felder machen sollten und er Richard und Jessica frei geben würde. Wir waren einverstanden. Wir bekamen von ihm noch einen Roller, damit wir schneller aufs Feld fahren können und auch nicht so weit über das Gelände zur Toilette laufen müssen. Sehr netter Kerl. Die Dusche in seinem Cottage durften wir auch benutzen. So was hatten wir allerdings noch nicht gesehen. Das Bad war im Rohbau gelassen worden. Sprich einfacher Betonfußboden eine Duschnische ohne Fenster, Lüftung oder sonst was, es gab nicht mal einen Vorhang. Dann noch ein kleines Waschbecken und eine Toilette. Für uns war es ok, wir waren froh, dass wir überhaupt duschen konnten, aber hier wohnt ja eine Familie mit 4 kleinen Kindern - was Zustände.

Gut ausgerüstet, ging´s am nächsten Morgen auf den Acker. Wir hatten neue Handschuhe, welche mit einem längeren Schaft und diesen klebten wir mit Kreppband auf unseren Longsleeves fest. Dadurch konnte man ohne Probleme in die Pflanzen greifen, ohne das immer alles juckte und brannte. Das erste Feld war nach 3 Stunden erledigt, das andere nach 2 Stunden. Danach hatten wir eine kleine Pause, dann durften wir mal wieder Viper Snippern. Das Gute daran, es gab 10 AUD pro Stunde und wir mussten einfach ein bisschen den Acker mähen.

Am Abend rechneten wir durch und kamen mal wieder zu dem Entschluss, dass das Ganze hier sich nicht so rechnet und wir eigentlich viel zu wenig verdienen. Während wir so am Auto saßen und überlegten, merkten wir, wie alle paar Minuten eine ziemlich große Wespe angeflogen kam. Sie flog geradewegs in den Van und nach kurzer Zeit wieder raus. Wirklich ständig, wir wunderten uns was sie da machte. Irgendwann meinte Lukas, wir müssen mal schauen was sie da treibt. Sie hatte bei jedem Flug kleine Lehmkugeln dabei, diese wurden an unsere Sitzbankpolster gedrückt, wo sie ein Nest bauen wollten.  Bei genauerem Hinsehen, konnte man einen ca. 5 cm Lehmklumpen am Polster finden, unglaublich diese Mistviecher. Das „Nest“ wurde entfernt und erst mal die Türen  geschlossen.

Der nächste Morgen kam, da wir die zwei Tage zuvor eine ziemliche gute Ernte hatten, war an diesem nicht viel zu holen, leider. Das war aber eigentlich der Grund, warum wir uns mal wieder entschieden zu gehen. Wir machten beide Felder fertig, danach redeten wir mit Jo. Er war schon ein bisschen angepisst und meinte erst, aber ihr müsst so lange bleiben, bis ich jemand neues habe. 10 Minuten später kam er, legte unser Geld auf den Tisch, bedankte sich und mal wieder ist ein Kapitel abgeschlossen.

Wir machten den Van startklar und los ging´s. Wir fuhren in die Stadt, fragten wenn wir schon hier sind in verschiedenen Jobagenturen nach Arbeit. Das Ganze aber mit nicht viel Erfolg, da es der Stadt wohl nicht so gut geht. Wir fuhren ins Schwimmbad, chillten dort ein wenig, genossen die Sonne mit weniger an als auf dem Feld und duschten dort. Danach aßen wir beim Maccas zur Feier des Tages. Jetzt werden wir die Nacht auf einer Rest Area verbringen und uns überlegen wo wir als nächstes hinfahren werden.

Samstag, 28. Januar 2012

Melbourne – die ewige Rivalin

Wir blieben noch ein paar Tage in Shepparton, doch es stellte sich heraus, das die Stadt nicht wirklich was zu bieten hat. Es gab schon ein paar Geschäfte, eine kleine Innenstadt und mit 64000 Einwohnern ist sie für die Verhältnisse hier, wirklich nicht klein. Aber sie liegt auch leider nicht am Meer und auf dem Campingplatz wo wir uns für eine Woche eingemietet hatten, wohnten einige merkwürdige Gestalten. Wir waren auf der Backpackerseite untergebracht, mit 20 Franzosen und einem deutschen und einigen Japsen. Unser direkter Nachbar auf der linken war ein ca. 70 Jahre alter Mann. Er kam am ersten Abend und erzählte, wie stolz er ja ist, dass er Australier in der 4. Generation ist und  jetzt erst mal hier bleiben müsse bis sein Auto repariert sei. Bevor er zu uns kam, lief er über unseren Platz und verteilte Brotkrumen für die Vögel, dasselbe tat er auch auf dem nächsten Platz nur nicht auf seinem. Später saß er vor seinem Zelt und begann zu summen und zu singen dudidum dudidum, wirklich schräg. Wir sahen auch jemanden über den Platz torkeln, der entweder gut dabei war oder an Fröschen geleckt hatte, jedenfalls wusste er gar nicht genau,  wohin er eigentlich wollte. Er taumelte an unserem Auto vorbei, danach ging er drum rum, danach war er endlich weg. Es war der schrägste Campingplatz, auf dem wir bis zu dieser Zeit waren.
Es ist auch immer unglaublich, dass die Hälfte von so einem Platz immer von Leuten fest bewohnt wird. Diese haben dann ihre Wohnwägen fest dort stehen, eine Wäschespinne im „Vorgarten“ befestigt und damit es schön aussieht ein paar Blümchen um ihren Platz gepflanzt:-)
An dem Tag wo wir eigentlich vom Platz sollten, regnete es schon die ganze Nacht, so dass wir beschlossen, doch einen Tag länger hier zu bleiben, denn bei Regen zu fahren, macht auch hier nur halb soviel Spaß. Wir schliefen länger, frühstückten im Bett, sahen ein paar Filme und abends ging`s in die Stadt ein bisschen schlendern und was futtern.

Am nächsten Morgen erwachten wir bei Sonnenschein und es hieß los geht’s Richtung Melbourne. Die Hauptstadt liegt nur 2 ½ Stunden von hier entfernt und da sich im Moment Job mäßig nicht wirklich viel getan hatte, beschlossen wir dort hinzufahren. Wir kamen gegen Nachmittag an, irrten planlos durch diese riesen Stadt. Es war ziemlich anstrengend da in der knapp 4 Millionenmetropole, so ziemlich jeder ein Auto besitzt und mit diesem auch unterwegs war,  zumindest fühlte es sich für uns so an. Wirklich 5 Spuren in eine Richtung und Auto an Auto. Wir machten in einer abgelegenen Seitenstraße eine Pause und beschlossen am Strand erst mal was zu futtern. Daraus wurde leider nichts,  da jeder, aber wirklich jeder Parkplatz in Strandnähe Parkgebühren kostete und das nicht wenig. Wir fuhren ein ganzes Stück an der Küste entlang, sahen ziemliche Bonzenvillen da stehen und kamen zu einem Parkplatz der nicht ganz so überfüllt war. Wir parkten und dann gab es erst mal was Leckeres. Wir saßen kaum 10 Minuten im Auto, da klopfte ein Mädel an die Tür und wollte wissen ob wir vorhaben hier zu schlafen. Nach kurzer Zeit stellte sich raus, dass sie und ihre Freundin auch aus Deutschland sind und heute 10 Stunden durch Melbourne geirrt sind. Wahnsinn, oder? Das Ganze um einen Schlafplatz zu finden. Sie erwähnte noch nebenbei, dass sie jetzt erst mal 6 Wochen in Australien reisen, danach geht’s für 4 Monate nach Neuseeland, danach noch eine Woche Fidschi und als Abschluss noch 1 Woche NY. Nicht schlecht dachten wir uns, so mit 20 Jahren mal kurz um die Welt.  Am Ende der Unterhaltung meinte sie noch das, das alles hier ja nicht so dolle sei und so wahnsinnig teuer und das sie froh ist nur 6 Wochen hier gebucht zu haben.
Nachdem sie weg war, fuhr ein anderes Auto auf den Parkplatz wo 2 Männer drin saßen. Wir aßen immer noch und hatten natürlich kein Parkticket gezogen, da uns 3 AUD für eine Stunde, nur um dort was zu essen, echt zu viel waren. Jedenfalls stieg einer der beiden Männer aus, hatte so ein elektronisches Teil in der Hand und suchte, so glauben wir unseren Parkschein. Wir dachten noch,  na toll, das wird jetzt ein teures Essen, aber er kam nicht zu uns und steckte auch kein Knöllchen ans Auto. Als er uns bemerkt hatte, stieg er ins Auto und sie fuhren davon. Sehr ominös, aber gut für uns denn kein Knöllchen:-).

Nach dieser Begegnung entschieden wir uns, zum Schlafen müssen wir raus aus der Stadt. Campingplätze und Hostels waren wegen der immer noch andauernden Ferien und den Australian Open, natürlich alle ausgebucht, also blieb uns nur rausfahren. Da Melbourne leider sehr weitläufig ist und dann noch tausend Vororte hat, gestaltete sich das Ganze nicht ganz so einfach. Nachdem wir auf mehreren Straßen unser Glück versucht hatten, diese aber nach kurzer Zeit unasphaltiert waren und es mit unserem Auto echt übel ist, über so eine Straße zu fahren, fanden wir ein kleines Industriegebiet. Dort war ein riesen Indoor Fußballplatz, nebenan ein Spaßbad und hintendran eine kleine Schule mit viel Feld vorne dran. Perfekt für uns. Die Nacht konnte kommen.
Am nächsten Morgen war es ziemlich frisch und ganz schön grau. Wir wollten ja Melbourne sehen, aber der riesen Van ist ziemlich unpraktisch in der Stadt. Also suchten wir im Netz nochmal nach Campingplätzen und wir fanden auch wirklich einen, der Platz hatte und nicht utopisch teuer war. Gemütlich fuhren wir dorthin. Er befand sich etwas außerhalb von Melbourne in einem Industriegebiet. Auf den ersten Blick, naja Industriegebiet, aber es gab keinen freien näher an der Stadt. So buchten wir eine Nacht. Wir überfuhren den Platz zu unserem Stellplatz und schnell wurde mal wieder klar, hier wohnen schon mehr Freaks und Arbeiter, als Reisende, aber was soll´s. Eine Nacht hier wird uns ja nicht umbringen. Umbringen nicht aber wir fielen fast vom Hocker, als gegen 20 Uhr ein kleiner Transporter direkt auf unserm Platz hielt und dann anfing Essen zu verteilen. Wir wunderten uns zuvor, warum so viele Assis um unseren Platz herumstanden, da kam die Antwort: „Die australischen Tafeln“. Es wurde Obst, Brot, Joghurt, Zeitungen, Milch und alles Mögliche an die herumstehenden verteilt. Nach 20 Minuten war der Spuk vorbei. Für uns stand fest,  hier bleiben wir auf keinen Fall länger als gebucht. So hieß es am nächsten Morgen goodbye Assis.
Wir fuhren nach St. Kilda, das ist ein Stadtteil von Melbourne, direkt am Meer indem wohl ziemlich häufig einfach Backpacker ihr Auto parken und dann auch dort im Wohngebiet schlafen. Ideal war es nicht, schon komisch so am Vorgarten von Leuten zu parken, aber wir dachten uns was soll´s, wir wollen endlich die Stadt sehen.

Ein Plätzchen in einer Seitenstraße war schnell gefunden, sogar ziemlich schattig, da es eine riesen Allee war und 6 Autos hinter uns stand ein weiterer Van. Perfekt. Wir stärkten uns noch für den Tag und dann ging es mit der Tram in die Stadt. Leider hatten wir am Morgen nicht ganz so schönes Wetter, das änderte sich allerdings schlagartig gegen Nachmittag.
Wir starteten unsere Tour am Federation Square, besorgten einen Stadtplan und schnell war die Tram gefunden, welche kostenlos im 10 Minutentakt durch die Stadt fährt und einige Sehenswürdigkeiten anfährt. Diese war leider auf Grund der Australian Open ziemlich voll, wir fanden aber einen Sitzplatz. Wir sahen das Etihad Stadion, den Hafen (Docks), botanischen Garten, schlenderten durch die Innenstadt, vorbei an der Flinders Station( Bahnhof).  Nach dem, dann auch noch ein Starbucks gefunden war und wir seit über 3 Monaten mal endlich wieder richtigen, leckeren Kaffee bekamen war der Tag gerettet.

Weiter ging es durch Chinatown, wo wir unser Mittagessen einnahmen, über den Victoria Market zum Old Goal (altes Gefängnis). Gegen Abend schlenderten wir noch etwas am örtlichen Fluss (Yarra) entlang. Wir sahen an der belebten Promenade einem Künstler zu, der mit kleinen Feuerstäben jonglierte und später seinen gesamten Körper durch einen Tennisschläger zwängte.
Danach kam das Highlight der Eureka Tower. Melbournes höchster Turm mit fast 300m Höhe  und in 1 Minute ist man die 88 Stockwerke hochgerast und hat einen super Ausblick auf die Stadt. Da es mittlerweile fast 21 Uhr war, hatten wir das Glück einen schönen Sonnenuntergang bestaunen zu dürfen. Danach nahmen wir die Tram zurück nach St. Kilda, dort schlenderten wir noch etwas und schauten beim Luna Park rein. Das ist ein Vergnügungspark mit Autoskooter, kleiner Achterbahn, Schiffschaukeln und Süßigkeiten Stand, der das ganze Jahr geöffnet ist und mal keinen Eintritt gekostet hat.

Danach ging´s an den Van zurück, der glücklicherweise noch stand. Kaum dort angekommen sprachen uns zwei Kerle an, es stellte sich raus, das es 2 Deutsche waren denen  der andere Van gehörte. Wir tauschten etwas Erfahrungen aus. Von den beiden sollte es auch die erste Nacht hier sein, hatten aber die Adresse als Tipp bekommen, also konnte ja nichts mehr schief gehen. Danach liefen wir in einen nicht weit entfernten Park, der am Meer lag, wo öffentliche Toiletten sind, um uns ein letztes Mal für heute  zu entleeren. Die Toiletten waren leider geschlossen, aber der Spaziergang hatte sich trotzdem gelohnt, denn in dem ganzen Park wimmelte es von Opossums. Sie waren überall von den Bäumen geklettert und futterten jetzt die Reste der Picknicker. Total süß leider haben sie etwas gestunken. Das erste Mal, das wir welche gesehen hatten und dann in Melbourne in einem Park :-)

Am nächsten Morgen, es war ein Sonntag, wussten wir das hier in St. Kilda, ein kleiner Markt sein sollte. Diesen besuchten wir, nachdem wir am Strand ein kleines Frühstück hatten. Dort gab es viel Ramsch, wie immer hier, aber war nett anzusehen. Die Sonne strahlte vom Himmel, so suchten wir ein schattiges Plätzchen im botanischen Garten und machten eine  kleine Pause.  Danach schlenderten wir weiter durch St. Kilda mit seinen unzähligen Cafés und Kneipen und kamen an den Strand. Schön nein, sehr voll ja. Man hätte meinen können, es ist ein Strandabschnitt auf Mallorca so was von voll, wirklich nicht schön. Wir liefen weiter zum Steg und sahen uns von dort das bunte Treiben an.
 
Gegen Nachmittag verließen wir St. Kilda und fuhren die Südöstlichen Vororte ab, hinunter an der Küste der Mornington Peninsula. Dort war es überall so voll und überlaufen, dass wir gleich die nächste Fähre von Sorrento nach Queenscliff rüber buchten. Nach 20 Minuten Wartezeit ging´s dann an Bord. Nach 30 Minuten Fahrzeit waren wir in Queenscliff angekommen, dort direkt am Strand gab es Duschen. Ziemlich nötig nach diesem heißen Tag. Frisch konnte es weiter gehen, wir liefen noch kurz auf dem Steg entlang wo man die Bucht sehen konnte. Dort geht es direkt raus auf den Ozean.
 
Am nächsten Morgen war es trotz des Schattens wieder ziemlich warm, so beschlossen wir nach Geelong ans Meer zu fahren. Dort verbrachten wir den Tag, das Meer lud allerdings, durch seinen Algenbefall, nicht wirklich zum Baden ein.

Für den nächsten Tag war eine Fahrt nach Shepparton zurück geplant, weil wir dort unseren neuen Job antreten sollten. Es ist eine Farm, die im Internet als sehr gut bewertet wurde. Man sollte dort Birnen, Nektarinen und Pfirsiche pflücken. Als wir dort ankamen um „einzuchecken“, kamen mehrere Leute vorbei, um sich bei dem Supervisior zu beschweren oder zu „kündigen“. Er kam gar nicht richtig dazu uns was zu erklären, da immer wieder Leute kamen. Mit der Zeit wurde ihm das zu viel und er gab uns unsere Schlüssel, für das Zimmer, welches wir in nächster Zeit bewohnen sollten. Dieses sollten wir uns doch schon mal anschauen, er würde dann später nachkommen.
Wir liefen also durch das Guantanamo von Australien, es war ein richtiges Arbeiterlager. Überall alte Schuppen in denen die Leute untergebracht sind, eine Küche und ein Essensraum, ansonsten provisorische Bäder und 2 Waschmaschinen. Wir kamen in unser Lager und gespannt öffneten wir Tür Nr. 4. Es war echt übel und heruntergekommen (Foto), so wollten wir nicht leben. Wir gingen zurück in das größere Lager und sprachen da noch mit einigen Leuten. Die Meinungen gingen stark auseinander. Manche finden es ok, andere wollen nur weg. Wir entschieden uns für zweiteres. Auf den Schock mussten wir erst mal ein Eis essen:-). Wie Menschen so leben wollen und dann von einer so tollen Zeit in Australien erzählen- unglaublich.

Für uns stand fest, das war es mit Shepparton wir fahren weiter hoch Richtung New South Wales. Wir besuchten Echuca, die letzte Stadt in Victoria, wo wohl mal eine berühmte australische Serie gedreht wurde. Es ist so ein bisschen eine Westernstadt, wo einige Pferdekutschen Touris durch die Gegend fahren und viele Schaufelraddampfer fahren.

10 Minuten später waren wir dann auch schon in New South Wales (NSW). Hier verbringen wir jetzt die erste Nacht direkt am Edward River. Mal sehen wie es weiter geht.

Dienstag, 17. Januar 2012

Wie die Zeit vergeht

Wahnsinn, jetzt haben wir schon 2012, sind seit über einem Jahr tapfere Nichtraucher und schon seit 3 Monaten in Australien. Dort haben wir viele schräge Typen, aber auch sehr nette Australier getroffen. Außerdem haben wir schon rund 20.000 km des fünften Kontinents durchquert und trotzdem gibt es noch so viel zu entdecken und zu erleben.

Erst mal zu Silvester, die Australier lässt das ziemlich kalt, das ein neues und wenn man nach dem Maja Kalender geht, ja sogar unser letztes Jahr anbricht. Wir waren auf diesem kleinen Campingplatz in Koroit, entschlossen auch dort zu bleiben. Wir hätten noch die Möglichkeit gehabt, die 15 km nach Warranambol zu fahren und dort auf einer Art „Schloßgartenfest“ ins neue Jahr zu feiern. Dieses Highlight hätte aber mal wieder 26 AUD pro Person Eintritt gekostet und wir hätten noch nichts getrunken oder gegessen. Es wäre auch um 0.30h alles vorbei gewesen. Außerdem hätte einer von uns beiden nichts trinken können und das an Silvester, also blieben wir Koroit treu.  Auf dem Campingplatz wurde nicht wirklich was angeboten, es gab zwar ein großes Zelt, in diesem saßen 4 Rentner. Einer von ihnen am Klavier, die anderen bildeten den Chor, das konnten wir uns echt nicht antun. So entschlossen wir uns ein leckeres Abendessen im Van zu kochen. Es gab Reis, Zucchini mit heller Soße und für Lukas etwas Huhn, dazu ein paar Bierchen. Wir unterhielten uns, hörten Musik und rasch war es 23.30h. Wir hatten entschieden in die Stadt zu laufen auf die Hauptstraße, dort würde ja bestimmt was sein. Ja eine freie Bank gab es, auf dieser ließen wir uns nieder. Wir waren noch erstaunt, dass wirklich niemand auf der Straße ist, dies änderte sich leider auch gegen kurz vor zwölf nicht wirklich. Es gab lediglich einige Milchlaster und ein, zwei Autos die durch die Straßen fuhren, das Ganze aber auch so, als wäre es ein ganz normaler Abend. Um 0 Uhr begrüßten wir zwei dann wenigstens das neue Jahr und eine Sekunde später war ein dicker, brauner, hässlicher Hund bei uns. Er muss aus irgendeinem Eingang gekommen sein, saß vor der Bank und hechelte uns an. Er war wie ein Schaaf, so vom Fell her und wie gesagt echt hässlich, aber ganz lieb. Wir liefen ein Stück über die leeren Straßen und der Hund lief mit, wie wenn er zu uns gehören würde. Aus dem nichts wie er kam, war er nach 15 Minuten auch wieder verschwunden, der kleine Silvestergast :-). Wir schlenderten zurück zum Campingplatz und dort war stille, absolute Stille. Wahnsinn und das an Silvester, alles schlief. Dies taten wir dann auch.

Am nächsten Morgen schliefen wir aus, genossen etwas die Sonne und gingen abends schön lecker Pizza essen. Der nächste Tag führte uns wieder raus auf die Straßen, irgendwohin. Es war unerträglich heiß an diesem Tag, circa 39 Grad, da wir beim Fahren auch noch die ganze Zeit auf dem Motor sitzen, im Van gefühlte 50 Grad. Da unser Gefährt leider auch keine Klimaanlage besitzt, entschlossen wir uns irgendwann, einfach ein Schwimmbad anzufahren, vom Meer waren wir leider zu weit entfernt.  Ahh, tat diese Abkühlung gut, mal davon abgesehen, dass es hier nicht üblich ist, wie in Deutschland, zu duschen bevor man ins kalte Nass springt. Es gibt hier überhaupt keine Duschen vor den Becken, sprich jeder springt mit seinem Schweiß ins Wasser, war uns aber egal. Nach der Abkühlung ging es weiter ins Landesinnere. Dort fanden wir eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit direkt am Fluss. Da waren sogar noch Leute baden, der Fluss sah aber wirklich nicht einladend aus, wir verzichteten. Die Nacht sollte sich noch als Höllennacht herausstellen, da es einfach unerträglich heiß war.  Wir versuchten gegen 23 Uhr zu schlafen, doch trotz allen Fenstern die wir öffnen konnten, ging kein Windchen und man schwitzte obwohl man einfach nur so da lag. Es war die erste Nacht wo wir uns wirklich überlegten, ob man nicht etwas Geld in ein Motelzimmer stecken sollte, da diese hier alle über Air Con verfügen. Irgendwann schliefen wir ein, zwischen durch war man immer mal wieder wach. Nachts um 2 Uhr waren es immer noch stolze 30 Grad. Als wir am nächsten Morgen erwachten war es gerade 8 Uhr und schon wieder unerträglich warm. Wir setzten unsere Fahrt Richtung Shepparton fort, man war mal wieder fast alleine auf der Straße. Jeder der konnte blieb in einem kühlen Raum. Wir hielten an einem kleinen Roadhouse an, um zwei kalte Getränke zu kaufen, wo wir eine kleine Anzeige hängen sahen: Tomatenpflücker gesucht. Wir nahmen sie mit, machten uns aber erst mal auf den Weg zu einer Jobvermittlung. Dort wurden wir in eine Kartei aufgenommen und die gute Dame meinte, sie meldet sich wenn sie was für uns hat. Im Moment gäbe es aber sowieso nur Pickerjobs. 

Wir fuhren erst mal ins Freibad um mit dieser Hitze klarzukommen, von dort riefen wir die Frau von der Anzeige an. Sie heißt Lilli und wollte zuerst wissen woher wir sind und wie alt. Als wir diese Fragen beantwortet hatten sagte sie ok ich gebe euch eine Chance, denn die Deutschen die bisher für sie gearbeitet hatten waren wohl nicht so die Perlen. Wir erfuhren auf welchem Campingplatz sie lebten und trafen uns gegen Abend mit Ihrem Mann Paul. Da der Campingplatz noch Plätze frei hatte und sehr günstig war, beschlossen wir die Nacht einfach dort zu verbringen. Was sich als sehr gut herausstellen sollte, da am nächsten Morgen um 5 Uhr Abflug war. Paul und Lilli erklärten uns bei einem Bierchen noch so einige Dinge über Tomaten, dann hieß es schlafen gehen. Um 4.30 klingelte der Wecker und zu unserem Erstaunen sind wir beide tatsächlich um diese unmenschliche Uhrzeit aufgestanden. In der Nacht hatte es etwas Gewittert und man sah immer noch Blitze am Himmel und es war noch so dunkel. Tapfer machten wir uns fertig und standen um kurz vor 5 bei Lilli und Paul vor dem Platz. Los ging’s, Lilli bretterte mit 120 über die Straßen in die Dunkelheit hinein. Wir hatten echt Mühe ihr zu folgen, unterwegs wurden noch 3 farbige eingeladen, die auch für sie arbeiten. Gegen halb 6 waren wir dann auf dem Acker der Mond noch da und von der Sonne noch keine Spur. Lilli lud Paul und die 3 anderen aus, verabschiedete sich und meinte sie müsse noch mehr Leute abholen. Nun standen wir um Uhres auf diesem Acker und konnten noch nicht mal anfangen zu picken da man nichts erkennen konnte. Nach so 5 Minuten fing es dann auch noch an zu winden und es begann zu regnen, na toll, am liebsten wären wir da schon wieder gegangen, aber es hieß wenigstens mal anschauen, wenn man jetzt schon so früh aufgestanden ist. Gegen kurz vor 6 war Lilli dann wieder da, der Regen hatte aufgehört und uns wurde ein deutsches Pärchen vorgestellt, die auch für sie arbeiteten. Lisa und Christian aus Leipzig beide noch relativ jung, aber nett und lustig.
Es ging raus aufs Feld, Lukas und ich bekamen 6 Reihen, einige Plastikeimer und los ging‘s. Am Rand des Feldes stand ein größerer gelber Container, den sie hier als Bin bezeichnen, dieser musste voll werden und 60 AUD waren uns. Kleiner Haken, hier wurde leider nicht nach Stunde bezahlt und in so eine Bin passen ca. 500 Kg, also ne Menge kleiner Eimer die wir mit Tomaten füllen mussten. Nach ca. 2 Stunden begann es wieder ziemlich stark zu regnen und wir mussten die Arbeit unterbrechen, was wir beide echt nicht schlimm fanden. Wir mussten vom Acker runter fahren, denn wenn wir dort stehen geblieben wären, hätten wir es unter Umständen nicht mehr dort weg geschafft. Der ganze Boden verwandelte sich in eine schleimige Lehmpiste und es war beim Fahren so ein bisschen wie auf Schnee. Wir erreichten noch rechtzeitig einen Schuppen der als Unterstand diente, dort unterhielten wir uns etwas mit Lisa und Christian und warteten bis der Regen vorüber war. Danach ging es wieder raus auf die Matschpiste, gegen 15 Uhr war endlich Feierabend und wir hatten ganze 1 ¼ Bins voll, mit tierischen Rückenschmerzen, total verdreckten Klamotten und Ganzen 75 AUD sollte es auf einen anderen Campingplatz gehen. Doch bei unserem Glück, war uns noch der hintere, linke Reifen kaputtgegangen, einfach platt. Lukas wechselte also noch auf dem Acker den Reifen, einer der Farbigen war sehr nett und hat ihm geholfen. Der Traktorfahrer half auch, indem er den Van einfach mit seiner Gabel, die sich vorne am Traktor befand, hochhob und man den Reifen wechseln konnte. Also hieß es für uns erst mal nicht auf den Campingplatz, sondern in die Stadt zu einer Werkstadt. Wenigstens dort hatten wir Glück und es hieß, wir schauen mal ob man den reparieren kann, lasst das Auto mal 1 ½ Stunden da. Kaum vom Hof gelaufen, erhielten wir einen Anruf, dass der Reifen nicht zu flicken sei und ein neuer her müsse. Was blieb uns, also ordneten wir an, einen neuen auf den Van zu ziehen. Nach einer Stunde kam eine SMS, dass unser Auto fertig wäre. Wir mussten 92 AUD bezahlen, hatten aber wieder 5 komplette Räder. Das tut weh, also hatten wir heute noch Geld bezahlt um auf die Arbeit zu kommen. Es ging zum Caravanpark der nur noch 10 Minuten vom Tomatenacker entfernt lag. Lilli hatte uns dort ein Plätzchen reserviert. Wir bekamen einen Stellplatz mit unserem eigenen kleinen Bad. Was für ein Luxus. Es kostete 10 AUD für die ganze Woche mehr, als ein Platz ohne eigenes Bad, also gönnten wir uns das. Es war ein kleines Häuschen mit Dusche, Waschbecken und Toilette, ganz angenehm, wenn man nicht jedes Mal über den ganzen Platz laufen muss, nur um mal schnell zu pinkeln. 

Da wir ziemlich fertig waren, ging es nur noch unter die Dusche und dann ab ins Bett. Am nächsten Tag, klappte das pflücken schon etwas besser, allerdings war es leider immer noch der erste Pick. Was hieß man musste schon etwas im Busch wühlen, um rote oder annähernd orangene Tomaten zu finden, was natürlich Zeit kostete. Am nächsten Morgen hatten wir keine Kraft aufzustehen, alles tat weh und so beschlossen wir einen Tag zu pausieren. Am nächsten Tag, lief es besser denn die Schmerzen waren weg und wesentlich mehr Tomaten auch schon an der Oberfläche reif. Fleißig pickten wir und kamen auch auf fast 4 Bins, trotzdem wurde uns von Tag zu Tag klarer, dass das hier nichts für die Ewigkeit sein könnte. Ein Tag war frei, da es heftig regnete.
Es war einfach zu hart, jeden Tag das frühe Aufstehen, dann bei der Hitze den ganzen Tag auf den Knien im Acker und schnell schnell die Tomaten picken, damit die Eimer voll werden, für gerade mal 120 AUD pro Nase. Ein kleiner Trost war, dass wir am Ende eines Arbeitstages, so viele Tomaten wie wir wollten mitnehmen durften, natürlich dann auf Kosten des Hauses :-) Der 4 Tag auf dem Feld verlief anders als geplant. Gegen halb 2 erhielten wir einen Anruf von Marsi. Das ist ein Albaner, der hier geboren wurde und eine Firma hat in der Kartons für Obst und Gemüse hergestellt werden. Bei ihm waren wir an einem unserer freien Tage und fragten ob er Jobs hätte, leider gab es keine, doch er behielt unsere Nummer und 3 Tage später war es soweit, er rief uns an. Er wollte, dass wir später noch bei ihm in der Firma vorbei schauen, damit er uns zeigen konnte, was ab dem nächsten Tag unsere Jobs wären. So fuhren wir wie die Schweine, verdreckt von den Tomaten gegen 15 Uhr zu Marsi. Er freute sich total uns zu sehen und zeigte uns die Arbeitsplätze. Dann war erst mal ein Päuschen dran, wir saßen mit Darren, David und Richard unseren neuen Kollegen draußen und plauderten. Nach 20 Minuten war die Pause vorbei und es hieß für uns ran an den Speck. Wir mussten die Kartons, nach dem pressen kontrollieren, dann stapeln und auf Paletten setzen. Wenn eine Palette voll war, wurde diese verschnürt und es ging von vorne los. Das ganze machten wir eine Stunde, dann kam Marsi drückte uns die Steuerunterlagen in die Hand, meinte bringt die ausgefüllt morgen wieder mit und seit um 7.30 da, alles klar. Im Anschluss fuhren wir zu Paul und Lilli um ihnen mitzuteilen, dass wir nicht mehr kommen würden. Beide waren etwas traurig, konnten unseren Entschluss aber verstehen und meinten noch, wenn´s euch nicht gefällt ihr könnt jeder Zeit zurückkommen. 

Der nächste Morgen halb 8 und ran ans Fließband, es wurden Kartons gestapelt was das Zeug hielt, auf Dauer auch ganz schön anstrengend, dass viele bücken und knien. Gegen 10.30 war die erste Pause, um 13.30 eine halbe Stunde Mittag und um 16.00 nochmal eine Pause, um 18.00 war der erste Tag geschafft. Es war auch keinesfalls Zuckerschlecken, aber besser als der Tomatenacker. Wir hielten das Ganze noch 3 weitere, harte Tage durch, entschieden uns aber auch hier wieder aufzuhören, da man verblödet. Man muss ja nichts denken, nur Kartons drehen, kontrollieren, stapeln und zu binden und das den ganzen Tag 10 Stunden lang. Wir teilten also am Abend des 4 Tages Marsi mit, dass wir morgen nicht mehr kommen würden. Er nahm es, wie alle anderen bis jetzt auch, sehr locker auf, bot uns auch an, wenn ihr nichts findet und Geld braucht kommt für ein paar Tage zurück, ihr habt gut gearbeitet und wart zuverlässig. Er erzählte und dann noch, das die Firma ihm seit 19 Jahren gehört und er jeden Tag hier ist egal ob Dienstag, Samstag oder Neujahr er ist da. Was für ein Leben.

Marsi erzählte uns dann auch, dass einer unserer Kollegen ein Alki ist und der andere wahrscheinlich ein Kiffer und Schnüffler, das alles scheint ihn aber nicht zu stören, wird hier alles ganz locker genommen, machen ja nen guten Job.

Jetzt haben wir uns erst mal ein paar Tage freigenommen, werden ausschlafen, das Wetter genießen, die Stadt ansehen und dann mal sehen was als nächstes passiert.