Mittwoch, 8. Februar 2012

Canberra – die unbekannte Retortenstadt

Nachdem wir am nächsten Morgen den Edward River verlassen hatten, beschlossen wir in Richtung Canberra zu fahren. Viele sagen, da gibt es nichts zu sehen und die ganze Stadt ist total hässlich. Wir sagten uns allerdings, wenn man schon eine längere Zeit durch Australien reist, sollte man schon mal die Hauptstadt gesehen haben, egal ob hübsch oder nicht.

Da waren wir nun in Canberra.

Die Stadt liegt total im grünen, hat auch wieder viele Parks und einen Fluss. Vor einigen Jahren hatte die Stadt wohl ihren Ruf als schläfrige Beamtenstadt weg, davon merkt man heute immer noch etwas. Die Leuten hetzen nicht so durch die Straßen und auch beim Autofahren heißt es, immer alles schön gemütlich, Beamten halt:-)

Am ersten Tag als wir ankamen hatten wir ziemlich gutes Wetter, da es aber schon  Nachmittag war, entschieden wir uns erst am nächsten Tag richtig die Stadt anzusehen.
Wir besuchten in mehreren Tagen das New Parliament House auf dem Capital Hill, davon gegenüber das Old Parliament  House, ein ziemlich bekanntes War Memorial, schlenderten durch die Innenstadt und fuhren auf einen Berg( Mount Ainslie), von wo man einen guten Ausblick auf die Stadt hatte. Da die nächsten Tage leider im Dauerregen vergingen, besuchten wir einige Museen. Davon gibt es hier reichlich, das Beste daran ist, alle kosten keinen Eintritt. Wir waren in dem Film und Sound Museum und im National Museum, dort wurde viel über die Entstehung Australiens gezeigt. Viel mit Filmen, Sachen zum Anfassen und zum Nachlesen, es war wirklich ganz interessant gemacht und was soll man an einem Regentag auch machen, wenn man kein richtiges zu Hause hat.

In diesem Zeitraum schauten wir natürlich auch immer mal wieder nach Jobs. Wir bekamen ein Angebot von einem Farmer, er suchte Leute die auf seinem Feld Zucchinis pflücken. Eigentlich hatten wir auf so eine Arbeit überhaupt keine Lust. Das Tomaten pflücken war so hart und anstrengend, dazu die nicht so gute Bezahlung. Aber wir dachten uns was soll´s, es ist sowieso Wochenende, da kann man nicht viel  bei der Arbeitssuche erreichen, also probieren wir es einfach.
Die Fahrt führte uns nach Young, eine Stadt so 3 Stunden westlich von Sydney. Das einzige warum man hier her kommt ist Arbeit, ansonsten gibt es nichts dolles. Die Stadt ist in Australien als die Hauptstadt der Kirschen bekannt und darauf sind mal wieder alle Einwohner sehr stolz, wie auf fast alles hier. Die Saison war allerdings schon im Januar vorbei, aber wir waren ja auch wegen der Zucchinis hier.

Wir sollten auf eine Farm kommen die 15 Minuten außerhalb liegt. Als wir morgens dort ankamen stand uns ein dicker, kleiner, haariger und ein bisschen arabisch aussehender Kerl gegenüber. Es stellte sich raus, dass es seine Farm ist. Er 28 Jahre jung, lebt hier mit seinen Eltern, seiner Frau und 4 Kindern. Er wohnt im „ Cottage“, seine Eltern in einem nicht kleinen Haus, nur das wir unter Cottage was ganz anderes verstehen als er. Es war eine total kleine, einfache Blechhütte. Er stellte sich später als Jo vor, zeigte uns wo wir parken und in den weiteren Tagen stehen sollten. Danach ging´s hoch aufs Feld. Die Farm ist echt riesig gewesen, die Zucchiniäcker hielten sich in Grenzen. Diesmal mussten wir nicht eine Bin voll machen, hier wurden wir nach Eimern bezahlt. Wir bekamen Handschuhe, jeder ein Messer und Jo zeigte uns wie man die kleinen Dinger richtig abschneidet. Dann durften wir loslegen.

Wusste jemand das Zucchinis von Kürbissen abstammen, eine riesen gelbe Blüte am Ende der Frucht haben und das sich, die Pflanzen an sich, sehr stachelig anfühlen, was an den Härchen liegt die dort zu tausenden sitzen. Letzteres war sehr unangenehm und man verlor viel Zeit beim Ernten, weil man immer wieder die Ärmel über die Handgelenke ziehen musste. Ansonsten war es zwar wieder anstrengend, aber ging besser von der Hand als das Tomaten pflücken. Nach den ersten 2 Stunden kam Jo vorbei und schaute nach uns, alles ok, er war auch zufrieden. Auf einem anderen Teil des Feldes, pflückte ein australisches Pärchen, welches schon seit 1 Monat auf der Farm ist. Man glaubt es kaum, aber wir beide waren mit unserem Feld schneller fertig, als diese beiden, so das Jo meinte geht mal rüber und pickt denen entgegen. Wir sprachen mit Jessica und Richard, beide waren sehr sehr höflich und waren froh, dass wir ihnen helfen wollten. Sie erzählten sie kommen aus der Nähe von Sydney und das sie alles was sie hatten verkauft haben, denn man kann ja auch mit ganz wenig glücklich sein. Das sind sie hier und alles was sie besitzen, passt in zwei Autos. Ja das waren wieder 2 Australier, wo wir uns dachten ok, muss ja jeder selber wissen was er mag, aber schon ziemlich schräg. Er war gerade mal 26 Jahre und sie 24 Jahre, natürlich waren sie auch verheiratet und wollten einfach mit ganz wenig leben. Für uns war klar, ganz nett aber mehr auch wieder nicht. Gegen 13 Uhr hatten wir beide Felder abgeerntet und die Arbeit für diesen Tag erledigt. Wir waren zwar müde und kaputt, aber wer sagt Zucchini ernten ist die Hölle, der hat noch keine Tomaten gepflückt!
Wir gingen zu Jo und sagten ihm, dass wir nicht zum Urlaub hier sind, sondern zum Arbeiten und mehr machen wollen. Er entschied, dass wir am nächsten Tag beide Felder machen sollten und er Richard und Jessica frei geben würde. Wir waren einverstanden. Wir bekamen von ihm noch einen Roller, damit wir schneller aufs Feld fahren können und auch nicht so weit über das Gelände zur Toilette laufen müssen. Sehr netter Kerl. Die Dusche in seinem Cottage durften wir auch benutzen. So was hatten wir allerdings noch nicht gesehen. Das Bad war im Rohbau gelassen worden. Sprich einfacher Betonfußboden eine Duschnische ohne Fenster, Lüftung oder sonst was, es gab nicht mal einen Vorhang. Dann noch ein kleines Waschbecken und eine Toilette. Für uns war es ok, wir waren froh, dass wir überhaupt duschen konnten, aber hier wohnt ja eine Familie mit 4 kleinen Kindern - was Zustände.

Gut ausgerüstet, ging´s am nächsten Morgen auf den Acker. Wir hatten neue Handschuhe, welche mit einem längeren Schaft und diesen klebten wir mit Kreppband auf unseren Longsleeves fest. Dadurch konnte man ohne Probleme in die Pflanzen greifen, ohne das immer alles juckte und brannte. Das erste Feld war nach 3 Stunden erledigt, das andere nach 2 Stunden. Danach hatten wir eine kleine Pause, dann durften wir mal wieder Viper Snippern. Das Gute daran, es gab 10 AUD pro Stunde und wir mussten einfach ein bisschen den Acker mähen.

Am Abend rechneten wir durch und kamen mal wieder zu dem Entschluss, dass das Ganze hier sich nicht so rechnet und wir eigentlich viel zu wenig verdienen. Während wir so am Auto saßen und überlegten, merkten wir, wie alle paar Minuten eine ziemlich große Wespe angeflogen kam. Sie flog geradewegs in den Van und nach kurzer Zeit wieder raus. Wirklich ständig, wir wunderten uns was sie da machte. Irgendwann meinte Lukas, wir müssen mal schauen was sie da treibt. Sie hatte bei jedem Flug kleine Lehmkugeln dabei, diese wurden an unsere Sitzbankpolster gedrückt, wo sie ein Nest bauen wollten.  Bei genauerem Hinsehen, konnte man einen ca. 5 cm Lehmklumpen am Polster finden, unglaublich diese Mistviecher. Das „Nest“ wurde entfernt und erst mal die Türen  geschlossen.

Der nächste Morgen kam, da wir die zwei Tage zuvor eine ziemliche gute Ernte hatten, war an diesem nicht viel zu holen, leider. Das war aber eigentlich der Grund, warum wir uns mal wieder entschieden zu gehen. Wir machten beide Felder fertig, danach redeten wir mit Jo. Er war schon ein bisschen angepisst und meinte erst, aber ihr müsst so lange bleiben, bis ich jemand neues habe. 10 Minuten später kam er, legte unser Geld auf den Tisch, bedankte sich und mal wieder ist ein Kapitel abgeschlossen.

Wir machten den Van startklar und los ging´s. Wir fuhren in die Stadt, fragten wenn wir schon hier sind in verschiedenen Jobagenturen nach Arbeit. Das Ganze aber mit nicht viel Erfolg, da es der Stadt wohl nicht so gut geht. Wir fuhren ins Schwimmbad, chillten dort ein wenig, genossen die Sonne mit weniger an als auf dem Feld und duschten dort. Danach aßen wir beim Maccas zur Feier des Tages. Jetzt werden wir die Nacht auf einer Rest Area verbringen und uns überlegen wo wir als nächstes hinfahren werden.

2 Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Neeee Leute,

    das Diplommodell war das letzte das wir bauen mussten..... Nie wieder :D

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