Da sich das Jahr 2011 dem Ende neigt, haben wir uns ein paar
Gedanken gemacht wo wir denn Silvester verbringen wollen. Weihnachten ist uns
eigentlich egal, da man das hier nicht als Weihnachten bezeichnen kann. Wir
haben uns entschlossen, dass wir West Australien verlassen werden und Silvester
in Adelaide verbringen möchten. Eigentlich wollten wir nach Sydney so wie alle
anderen auch, dies bekommt man dann auch ganz schnell an den gesalzenen Preisen
dort zu spüren. Wir haben uns mal im Internet ein Hostel in Sydney rausgesucht,
da hätten wir pro Person für 10 Nächte im Doppelzimmer stolze 1500 AUD latzen
müssen und man hat ja noch nichts dort gemacht. Wir haben auch von einem Pärchen
gehört, die Silvester in Sydney waren, sie sind wohl morgens gegen 10.00 in
einen riesen Stau gekommen, weil alle reinfahren wollten, gegen 13.00 waren sie dann auf einem Hügel im Park wo man
einen super Ausblick haben soll auf‘s Feuerwerk, nur da dann noch 11 Stunden
rumstehen um seinen Platz zu verteidigen, da haben wir echt keinen Bock drauf.
Wir haben Kalgoorlie-Boulder die berühmte Goldstadt Western
Australiens besucht. Das Städtchen erinnert mit seinen alten Gebäuden stark an
eine Westernstadt, ansonsten ist es sehr warm und man hat ständig das Gefühl
durstig zu sein, das liegt wohl daran das man in der Wüste/Busch ist.
Natürlich waren wir auf einer Aussichtsplattform, von wo man
die größte offene Goldmine der Welt sehen konnte „The Super Pit“. War schon
sehr beeindruckend wie tief das runter geht und die ganzen „ kleinen“ Trucks
die vollbeladen rumdüsten. Wir sahen später in der Stadt noch den Rest einer
Parade, wo man dann so einen Minen Truck in voller Pracht bewundern konnte. Am
Abend machten wir unser erstes eigenes BBQ auf dem Campingplatz- sehr leckere
Burger.
Am nächsten Morgen beschlossen wir in einem kleinem 4 Sitzer
Sportflugzeug einen 20 Minuten Rundflug über die Stadt und die Mine zu machen.
Der ganze Spaß kostete gerade mal 20 AUD mehr als ein Besuch der Mine selbst und
kam uns interessanter vor. Gegen 12.00 trafen wir unseren Piloten Marc, der Gute
war gerade um die 25 Jahre alt (wenn‘s hochkommt) und das war sein Hauptjob,
Touri‘s über die Mine fliegen oder quer durchs Land mit dieser kleinen
Klitsche. Los ging´s, wir wurden ordentlich durchgeschüttelt, aber der Ausblick
war schon beeindruckend. Man sah die Mine, das Städtchen und ansonsten nur
Busch und rote Erde. Wir waren dann auch wieder froh, als wir festen Boden
unter den Füßen hatten, uns beiden war doch etwas flau im Magen. Gegen 15.00
wollten wir uns noch das älteste Bordell Questa Casa anschauen. Von diesem und seinen Führungen
hatten wir bereits in Deutschland in dem Buch „Im Land der Regenbogenschlange“
gelesen. Es ist schon interessant, wenn man darüber gelesen hat und jetzt
persönlich drin steht und sich alles ansehen kann. Die Storys die die gute Frau
erzählte kannten wir ja schon, aber mal so ein Zimmer zu sehen war es wert. Wobei
man den Räumen leider ihr Alter ansah. Sie waren auch alle super kitschig
eingerichtet und in einem davon ist wohl mal jemand gestorben. Es stellte sich
aber raus das er nicht richtig tot war, sondern an einer Schlafkrankheit litt.
Gegen Abend ging´s dann wieder zurück nach Norseman die letzte Stadt in W.A.
von wo aus wir über den Eyre Highway durch die Nullarbor Wüste nach Süd-Australien
wollten.
Wir verbrachten dort die Nacht, deckten uns mit Essen,
Wasser, Sprit und Bargeld ein, duschten das erste Mal wie Truckfahrer an einer
Tankstelle und los ging´s. Wir hatten sie uns etwas anders vorgestellt,
irgendwie karger, außerdem gab es fast jede 200 km ein Roadhouse, also alles
halb so wild. Wir fuhren an einem Schild vorbei, auf dem man drauf hingewiesen
wurde, dass man die Uhr 45 Minuten vorstellen soll. Später aßen wir in dem
berühmten Nullarbor Roadhouse, wo die Uhr auf einmal Stunden später anzeigte
und wir 1,45 Stunden verloren hatten. Interessant war auch zu sehen, dass hier
in dieser Gegend die Straße auch als Landebahn für die fliegenden Ärzte genutzt
wird. Später fuhren wir auch eine Tankstelle an, bei dieser musste man seinen
Führerschein abgeben, dann wurden erst die Zapfsäulen freigeschaltet, weil wohl
so viele Leute einfach getankt haben und dann abgehauen sind.
Wild wurde dann auch mal wieder die Nacht am Straßenrand
verbracht, wo man nachts ordentlich die Roadtrains donnern hörte. Am nächsten Morgen,
wir sind gerade mal 10 Minuten gefahren, da kam uns ein ziviles Polizeiauto,
was man an der großen Antenne und dem draufgesetzten Blaulicht erkannte,
entgegen. Sie fuhren an uns vorbei und zack wurde gedreht und das Blaulicht
hinter uns ging an. Lukas musste seinen Führerschein zeigen, danach durfte er
blasen um halb 9 morgens an Nikolaus. Wir erfüllen wohl im Moment ordentlich
das Klischee der Backpacker:-).
Weiter ging´s auf dem ziemlich einsamen Eyre Highway Richtung Osten. Es ist
unglaublich wie viele tote Tiere hier am Straßenrand liegen, wirklich jeden
Kilometer eins. Echt übel, vielleicht sollten sie den Highway mal umbenennen.
Kurz vor der Südaustralischen Grenze entdeckten wir noch einen Zugang zum Meer
und genossen diesen Anblick in W.A. ein letztes Mal.
Bevor man in Südaustralien einreisen darf, muss man alles an
frischem Obst, Gemüse oder was man an Pflanzen dabei hat entsorgen, da die
ziemliche Paras vor Fruchtfliegen haben. Also schmissen wir unser restliches
Grünzeug weg, die Strafen wenn man erwischt wird sollen wohl sehr hoch sein.
So jetzt sind wir in Südaustralien, haben 2,5 Stunden
zusätzlichen Vorsprung zu euch und sehen das Meer. Es sind schroffe Steinküsten
mit türkisblauem Wasser, nur leider unerreichbar. An einige dieser Buchten kann
man ran fahren, allerdings nur mit einem 4 WDL.
Die Straßenränder sind hier nicht mit
toten Tieren gepflastert und wir haben unseren ersten wilden Dingo gesehen. Die
Nacht verbrachten wir in Ceduna auf einem Campingplatz der 28 AUD kostete, die
alternative dazu war wild campen, was am Meer immer etwas schwierig ist und
teuer bestraft wird. Wir sahen ein Schild mit 750 AUD Strafe für´s campen,
daher entschlossen wir uns für den Campingplatz. Am nächsten Morgen fuhren wir
ganz in den Süden nach Port Lincoln, spazierten über den Jetty und durch die
Stadt. Danach fuhren wir in den Coffin Bay National Park. Wir sahen schöne
Strände, leider keine Seeadler die dort eigentlich vorkommen sollten. Ansonsten
waren wieder viele Pisten für uns nicht befahrbar, also ging‘s vorbei an den
berühmten Auster Farmen von Coffin Bay hoch Richtung Port Augusta.
Das Wetter in Südaustralien war in den letzten Tagen nicht
besonders schön und das obwohl wir im regenärmsten Staat sind.
Wir schliefen die Nacht in der Nähe von Lucky Bay wo aber
gar keine richtige Bucht war. Außerdem sollte man es in Smelly Bay umbenennen.
Es roch so nach totem Fisch, da dort ca. 20 Fischer wohnen und sonst nix ist.
Am nächsten Morgen trafen wir in Whyalla ein, welches die
zweitgrößte Stadt S.A. ist. Das ist der australische Ruhrpott hier und so
riecht‘s auch. Überall Schornsteine, eine riesen Fabrik in der Kohle per Zug
angeliefert wurde und die Häuser alles original Pott. Da die Stadt ansonsten
nicht viel zu bieten hatte, außer Industrie und einem stark abgeebbten Meer fuhren
wir weiter nach Port Augusta. Das ist ein kleines Hafenstädtchen, welches auch
Crossroad of Australia genannt wird. Man kann in den Westen fahren nach W.A.,
in den Norden nach Darwin, in den Osten nach Sydney oder in den Süden nach
Adelaide. In den Süden wollten wir ja eigentlich, da wir aber bis Silvester
noch etwas Zeit haben, entschlossen wir uns nach Coober Pedy, die Opalstadt zu fahren.
Dort wohnen angeblich schräge Typen, Glücksritter und Lebenskünstler. Der Grund
warum wir hinfahren ist, dass die Leute dort in unterirdischen Wohnhöhlen aus
Sandstein leben, da es oben mit bis zu 45 Grad viel zu heiß ist und diese
Höhlen durch den Opalabbau übrig bleiben. Es gibt ernsthaft auch drei
unterirdische Kirchen! Das Städtchen ist ziemlich runtergekommen, aber es sieht
lustig aus weil echt überall diese kleinen Sandhaufen aufgetürmt sind, die beim
Opalsuchen entstehen. Wir hatten eine Opalminenführung, allerdings haben wir
nicht viel verstanden, da übelster Slang angesagt war. Wir haben auch
Requisiten zu den dort gedrehten Filmen Mad Max 3 und Pitch Black gesehen.
Es ist schon sehr auffällig, dass im Outback viele Asiaten
(Chinesen?!) und Inder arbeiten. Im Moment sind wir wieder in Port Augusta und
von hier geht’s weiter nach Adelaide.
