Unsere Fahrt
führte uns von Richmond Richtung Eastwood, welches einer der vielen Vororte von
Sydney ist. Da wir allerdings erst gegen 17 Uhr zu unserer Gastfamilie konnten,
besuchten wir in der Nähe einen Wildlife Park. Der Eintritt war mal wieder
stolz, aber es hat sich gelohnt. Der Park ist nicht riesig, aber im ganzen Park
hüpfen Kängurus umher, die Zäune sind sehr niedrig, sodass wir sogar die
Gelegenheit bekamen einen Wombat zu streicheln und was der Oberhammer war, man
konnte Fotos mit einem kleinen Koala machen der direkt vor einem auf seinem
Eukalyptusast saß. Es gab wieder viele Tiere zu sehen, haben sogar die
kleinsten Pinguine der Welt dort angesiedelt.
Nach diesem
Erlebnis ging es weiter nach Eastwood. Wir hatten immer noch etwas Zeit, so
entschlossen wir uns, etwas den Stadtteil zu erkunden. Zu Beginn fiel uns
gleich auf, dass ziemlich viele Asiaten unterwegs waren, wir dachten uns nichts
dabei, später allerdings sah man eigentlich nur asiatische Geschäfte,
asiatische Gesichter und es roch auch so. Es gibt dort sogar Restaurants da
hängt keine Speisekarte in Englisch nur in Kauderwelsch. Man könnte meinen, man
wäre in Asien, Englisch wird auch kaum gesprochen, aber die Häuser sehen halt
wieder australisch aus.
Gegen 17 Uhr
erreichten wir dann das Haus der Familie. Von außen ganz nett, sehr alt, aber das
wussten wir, sie suchen nämlich immer Helper die Ihnen beim Renovieren hier
helfen. Der Garten, leicht chaotisch und nicht schön angelegt, aber auch nicht
zu Atzen mäßig, man könnte echt was draus machen. Wir klingelten und man hörte
nur noch bellen und kläffen, klar die 4 Hunde. Eine Frau öffnete und 3 total
neugierige Hunde stürmten auf uns zu, Shannon bat uns ins Haus dort wartete
noch ihr Ehemann Phil. Beide sind in Ihren 60 Jahren und begrüßten uns sehr
freundlich und zeigten uns das Haus. Wohnzimmer ist lieblos eingerichtet,
ziemlich verramscht, überall liegen Decken auf dem Boden für die Hunde. Da fiel
uns auf, einer fehlte noch, sie schrieben was von 4 Hunden, Bella. Sie ist
total verstört, da sie von einer Zuchtfarm gerettet wurde, sitzt die meiste
Zeit in einer Ecke auf der Coach und knurrt und bellt, macht aber nichts wenn
man an sie ran tritt und genießt es dann doch gestreichelt zu werden. Das Bad,
die Küche und unser Zimmer ist ok. Alles alt aber neu renoviert, der Rest des
Hauses versackt etwas im Chaos und ist völlig zu geramscht mit tausend Büchern,
Bildern, altes Kinderspielzeug, Decken und und und, trotz allem ist es für uns
beide ziemlicher Luxus mal wieder ein richtiges Dach über dem Kopf zu haben. Es
ist auch sehr angenehm in einem richtigen Bad zu duschen und anschließend nicht
3 Minuten durch Wind und Wetter stiefeln zu müssen um ans Auto zu gelangen, der
Luxusoberhammer ist das Bett, es ist zwar nur 1,40 breit aber sehr bequem. Ja
man weiß auf einmal die Dinge zu Hause viel mehr zu schätzen.
Wir
plauderten etwas mit beiden und sie erzählten uns, dass alle Hunde gerettet
Tiere sind aus Laboren oder Zuchtstationen, ihre eine Tochter ist in dieser
Richtung sehr engagiert, deswegen hätten sie jetzt 4 Hunde:-). Die andere Tochter ist IT-Manager, lesbisch
und schizophren.
Sie
erzählten, dass sie Lehrer sind, Phil allerdings arbeitet nicht mehr, hat
Probleme mit dem Herz, einige Operationen daran hinter sich und ist somit
Pensionär. Sie unterrichtet Chemie, geht mit ihrer Tochter auf Demos gegen
Tierversuche, lädt Filme aus dem Internet, hat einen Facebook Account, trägt
beim TV schauen eine Mütze gegen das Licht, schläft nachts im Sitzen auf der
Couch, isst prinzipiell nichts mit uns, blockiert Stunden das Badezimmer und schaut
gerne die Simpsons, Family Guy sowie Futurama. Er schläft alleine im Ehebett
mit den 4 Hunden, alles sehr strenge, aber jedem das seine.
Wir haben jedoch
viel Freiraum, easy Jobs und einen eigenen Hausschlüssel bekommen, da beide oft
unterwegs sind und wir ja auch flexibel sein sollen. Wir hatten als Aufgabe an
unserem ersten Arbeitstag: Verena: Sonnendeck neu mit Öl anstreichen. Lukas:
Holz vom Nachbarn rüber karren im Wohnzimmer stapeln danach Verena helfen.
Jedoch musste dieses Deck erst mal freigeräumt werden. Es befanden sich natürlich
etliche, kitschige Figürchen, Gläser, Sitzmöbel und riesige Tonblumentöpfe
darauf. Nachdem wir den ganzen Kram entfernt hatten, musste man es fegen. Ein Baum
hatte den Großteil seiner Blätter dort abgeworfen und das ein oder andere
Hundegeschäft befand sich auch vor Ort. Alter Schwede das mockerte, wenn man
die Häufchen wegkehrte, echt assi, seine Hunde in den Garten scheißen zu
lassen. Dann konnte ich endlich mit dem streichen beginnen, Lukas mit dem Holz.
Nach einiger Zeit kam Phil zu mir und meinte ah mach dir nicht so viel Gedanken
um die Kleckse am Boden oder an der Wand, er nahm den Pinsel tunkte ihn in den
Eimer und klatschte ihn ohne abzustreifen oder sonst was, an die Fassade und
meinte so kannst du das auch machen, wen jucken die Kleckse auf dem Boden? Mich
nicht.
Lukas sah
beim Holz verladen einen Blauzungen Lizard, ist ein Vieh wie eine Echse nur mit
blauer Zunge, später kam er zu mir und half beim Ölen. Im Anschluss pinselte er
dann noch die Gartenmöbel, ich sollte die Fenster, die an der Garage sitzen
putzen. Ich fragte Phil nach Putzutensilien, ein großes Fragezeichen machte
sich in seinem Gesicht breit. Er meinte er hätte nichts, ich solle sie doch mit
Spüli putzen und mit diesem Handtuch hier trocknen. Das Handtuch roch nicht
sehr frisch, so fragte ich mal nach was das denn für eins sei? Er lachte nur
und meinte ein Hundehandtuch aber für die Fenster ja völlig ausreichend. Für was
soll ich denn dann die Fenster putzen, wenn ich sie danach mit einem völlig
vollgehaarten Handtuch trocknen soll? Wir werden die australische Logik nie
verstehen, aber er ist der Chef also hab ich damit geputzt. Als er später die
Fenster begutachtete war er total begeistert und meinte, das sind aber nicht
meine Fenster. Ich hab noch nie in meinem Leben so Fenster geputzt aber das ist
wohl der Australian Way of Life.
Das
Wochenende haben wir hier immer frei, so nutzten wir die Gelegenheit und fuhren
am Samstag in die City. Wir starteten unsere Tour am Central Market, was eine
riesen Markthalle ist, wo es wieder alles Mögliche, größtenteils von
Asiatischen Anbietern zu kaufen gibt. Man bekommt echt Klamotten, Schmuck,
Handys sogar Samurai Schwerter, von dort gings nach Darling Harbour, dies ist
das alte Hafenviertel, weiter Richtung Harbour Bridge, von dort hatten man auch
einen guten Blick auf die berühmte Oper. Wir hatten sie uns doch etwas größer
vorgestellt, was man so aus dem TV kennt, schön anzusehen war sie trotzdem. Von
dort aus ging es in die Rocks (altes Lagerviertel), welches neu renoviert
wurde. In der Innenstadt stärkten wir uns um danach durch die bekannte Strand
Arquade, welches eine Einkaufspassage ist, zu laufen. Nach so vielen
Sehenswürdigkeiten machten uns unsere Füße ganz schön zu schaffen und wir
entschieden einen weiteren Eindruck auf die Stadt von oben zu bekommen, nämlich
mit der Monorail (Schwebebahn) welche uns durch die Innenstadt fuhr. Wir
genossen die Fahrt, sodass wir sogar 2 Runden drehten. Im Anschluss wollten wir
in den chinesischen Garten, der war leider aber schon geschlossen war ja auch
schon wieder 18 Uhr:-). Wir waren wirklich kaputt so beschlossen wir die 30
minütige Rückfahrt nach Eastwood anzutreten, doch es steht fest es gibt hier
noch viel zu sehen, so werden wir nochmal wieder kommen.
Für Sonntag
war geplant mit Phil, Shannon und den 4 Hunden 100 km nördlich von Sydney
rauszufahren in einen kleinen Ort, in dem Shannons Mutter (Edna) wohnt. Diese
Frau ist 90 Jahre alt, sieht bei weitem aber nicht so aus, wohnt alleine mit
einem kleinen geretteten Hund in einem „ Hexenhaus“. Die Leute in dem Ort
nennen es so, da es das Dach bis zum Boden runter hat, nicht wie ein
gewöhnliches Haus. Edna ist wirklich total fit, trägt nicht einmal eine Brille,
ist bei Facebook, schreibt E-Mails mit ihren Freundin und scherzte mit uns. Wir
hatten alle zusammen Mittagessen, danach fuhren Phil und Shannon mit uns auf
ein naheliegendes Gelände auf dem eine Irrenanstalt beheimatet ist. Die Hunde
blieben bei der Oma, da wir auf diesem Gelände frei lebende Kängurus füttern sollten.
Es war ein komisches Gefühl so über dieses Gelände zu fahren, es liegt wirklich
schön im Grünen an der einen Seite ist ein riesiger See und man hat jetzt keine
Patienten gesehen, aber die ganzen verlassenen Häuser und der Stacheldraht an
manchen Häusern, gab einem doch zu denken. In Deutschland wäre so was ja
überhaupt nicht möglich, aber alles war vergessen als die riesen Horde Kängurus
zu sehen war. Bestimmt an die 100 Tiere, alte, kleine, riesen Männchen und
Weibchen mit ihren Babys in den Beuteln. So etwas kann man nur sehen, wenn man
mit Sydneysidern unterwegs ist, diesen Platz wird man in keinem Reiseführer
finden und es war ein tolles Erlebnis für uns.
Seit Montagabend
ist ein weiterer HelpX Gast im Haus, Ben aus Frankreich. Er ist 24 Jahre und
will ab Juli in Brisbane studieren. Gleich an diesem Abend fuhr uns Phil abends
nach Sydney rein und brachte uns an Plätze, die wohl sonst kaum ein Tourist zu
sehen bekommt, mit super Blick auf Oper und Harbour Bridge. Später setzte er
uns im Norden von der Brücke ab, sodass wir unsere erste Überquerung bei Nacht
machten. Im Dunkeln wirkte die Oper schon imposanter als bei Tag, diese
umrundeten wir auch noch danach sammelte uns Phil wieder ein und es ging zurück
nach Eastwood.
An unserem
ersten Arbeitstag zusammen mit Ben, hatten wir Glück und einen guten Job
abbekommen im Gegensatz zu ihm. Wir sollten die alten Holzfenster von ihrem
Schlafzimmer abschleifen, dass sie wieder zuschließen sind und lackieren, das
dauerte einige Stunden. Ben bekam den Job ein Erdloch zu hacken, zu schaufeln
wie auch immer, direkt unter Bäumen wo ziemlich viele Wurzeln das Erdreich durchzogen.
Es war keine leichte und echt schweißtreibende Arbeit im Vergleich zu unserer.
Als Ben eine kleine Pause machte, setzte er sich auf die Stufen hinter uns und
nahm ganz selbstverständlich unsere Trinkflasche, setzte sie an und trank. Ich wusste
überhaupt nicht was ich sagen soll, Lukas drehte sich um, war auch total
perplex und meinte: Das ist unsere Trinkflasche!! Was sagte der Franzake
darauf: OHHH stört es dich, wenn ich aus eurer Flasche trinke? Hallo, natürlich
stört es uns, du hast noch nicht mal gefragt! Man fragt sich echt oft, was hier
eigentlich für Leute unterwegs sind, dann ist er so schlecht zu verstehen mit
diesem furchtbaren Akzent, selbst Phil und Shannon fragen ständig nach was er
sagen wollte.
An einem
anderen Nachmittag fuhren wir alleine mit Phil nach Sydney und er zeigte uns
dort einen Stein wo Aborigines vor 10 000 Jahren Zeichen in Stein ritzten. Im Anschluss
waren wir noch auf einem Aussichtspunkt, von wo man ein super Panorama auf die
Stadt hatte (siehe Panorama Sydney).
Wir können
uns hier echt nicht beschweren, fangen mit dem arbeiten meistens gegen 10 Uhr
an und nach 3 oder 4 Stunden wars das auch schon wieder für den Tag, wir haben
dann Mittagessen, danach wird geduscht und im Anschluss wird jeden Nachmittag
etwas anderes unternommen.
Wir hatten
echt Glück mit dem Wetter, zwar nur noch um die 20 Grad aber Sonnenschein, bis
auf einen Tag, an dem fragte uns Phil ob wir trotz des Regens etwas unternehmen
wollen? Wir waren uns nicht sicher, denn es war wirklich ungemütlich, doch er
meinte hey man kann nicht alles in strahlendem Sonnenschein sehen, so fuhren
wir zu dritt nach Bondi Beach. Das ist einer der berühmten Strände von Sydney,
allerdings nichts außergewöhnliches, ziemlich touristisch, dadurch ja sowieso
nicht unser Ding. Wir hatten dort keinen Regen mehr so liefen wir etwas am
Strand. Danach zeigte uns Phil noch ziemliche Snob Viertel von Sydney in denen
standen riesen Villen mit super Blick auf den Hafen. Wir fuhren durch Kings
Cross das ist das Rotlichtviertel von Sydney, doch es sah aus wie ein ganz
normaler Stadtteil.
Wir zwei
hatten am Freitag nicht viel zu tun hier, außer eine riesen Mahagonipflanze umzusetzen,
so dass Phil gegen halb elf keine weiteren Aufgaben für uns hatte und meinte
fahrt doch in die Stadt. Gesagt, getan. Wir waren an der Börse, nicht besonders
spektakulär, am chinesischen Garten, dieser hätte wieder Eintritt gekostet so
entschieden wir etwas am Darling Harbour zu spazieren, danach ging es ins
Aquarium. Das war echt super schön und interessant gemacht. Man sah dort einen
Platypus ein echt schräges Tier, ist eine Mischung aus Otter, Bieber und Ente, gibt
es nur hier in Australien, in freier Wildbahn leider selten. Dann sah man
Quallen die bunt beleuchtet wurden, riesen Krabben, Nemos und andere bunte
Exoten, eine riesen Schildkröte und Haie unter denen konnte man in einem Tunnel
durchlaufen. Wirklich viel zu sehen und wir waren da 2 Stunden, kam einem aber
nicht so vor.
Am nächsten
Tag sahen wir Sydney von einer anderen Seite, nämlich mit ziemlich steilen und
schroffen Sandklippen, dahinter erblickte man die Skyline. Später ging es nach
Manly Beach, auch ein berühmter Strand von Sydney, allerdings mit etwas mehr
Charme und Flair als Bondi. Von hier nahmen wir die Fähre zurück zum Circular
Quay direkt in Sydney. Wir verbrachten die Überfahrt auf dem offenen Deck und
es war ziemlich windig und kühl aber der Ausblick auf die Stadt im Dunkeln war
schon sehr nett, man sieht auch erst bei Nacht wie riesig und weitläufig
eigentlich diese Stadt ist.