Am Samstag durften wir wieder nur den halben Tag arbeiten, das war ziemlich ätzend, denn als wir gegen 14 Uhr aufs Weingut zurück kamen und gerade mit unserem Mittagessen fertig waren, besuchten die ersten Kunden das Weingut. Hier ist jeden Samstag die „Keller Tür“ von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, heißt Weinliebhaber aus dem Umland fahren die verschiedenen Weingüter an, testen dort den Wein ( nicht wirklich in einem Keller so was hat hier kaum jemand) und wenn’s gemundet hat, wird natürlich ordentlich was gekauft.
Morgens vom Feld aus hatten wir einen guten Blick aufs Weingut, kaum ein Auto zu sehen, aber gegen Nachmittag lockte die Sonne an diesem schönen Herbsttag ziemlich viele Leute zu Murray. Blöd für uns, denn so konnten wir vor 17 Uhr nicht duschen gehen, da diese hinter dem „Keller“ liegt und wir nicht nur in ein Handtuch gehüllt an den Leuten vorbeilaufen wollten. Es war gut was los, einige kamen sogar aus Canberra um hier den edlen Tropfen zu testen. Ein Ehepaar hatte selbstgemachtes Fleisch dabei, was sie als kleine Häppchen servierten. Murray brachte uns einen Testhaps. Lukas konnte voll zuschlagen, da ich großzügig verzichtete. Er bekam Emu Leber, Wallaby- und Kängurufleisch zum Kosten. Das Wallaby war wohl nicht so schmackhaft, dafür aber die anderen zwei umso mehr. Als die Kunden das Weingut verließen, meinte Murray noch morgen ist frei, aber am Montag könnt ihr nochmal arbeiten, danach wird eine kleine Pause entstehen, da die Trauben reifen müssen. Oh Mann, da will man mal arbeiten, hat auch einen Job und kann dann doch wieder nicht. Gegen Abend sahen wir zufällig eine Liste liegen, von den Weinumsätzen von heute, es waren gut 1500 AUD und das in gerade mal 3 Stunden. Ein Kunde kaufte Wein im Wert von 500 AUD, der hat sich wohl erst mal für dieses Jahr eingedeckt :-).
Am Sonntag war das Wetter wieder ziemlich schön, aber man merkt das der Herbst da ist, die Sonne hat einfach auch hier nicht mehr so die Kraft. Wir schauten wieder im Internet nach Jobs, dann kam uns die Idee, hier in der Nähe einfach einige Weingüter anzufahren und nach Arbeit zu fragen. Gesagt, getan, los gings.
Das erste Weingut welches wir besuchten, fanden wir sehr schön, es war freundlich eingerichtet, bestand aus alten Steinen und lud zum Testen ein, ganz im Gegensatz zu dem von Murray wo alles alt und versifft ist. Die Dame dort meinte der Chef ist nicht da, hinterlasst mal eure Namen und Nummern, wenn wir was haben, werden wir uns bei euch melden. Das zweite liegt direkt an der Hauptstraße, eine ältere, nette Dame lud uns gleich zum Testen ein, obwohl wir ihr ja gesagt hatten, dass wir eigentlich nur nach Arbeit suchen. So ein Angebot kann man ja aber nur schwer abschlagen, also hoch die Tassen. Der erste Wein war ein weißer, wir erzählten ihr vorher wir hätten gerne etwas süßes nicht ganz so trocken. Der Wein war wirklich sehr sehr gut, frisch, fruchtig aber nicht zu süß. Der zweite war auch sehr gut, aber der erste schmeckte uns besser, dann gab es eine leckere Macadamia Nuss um den Geschmack zu neutralisieren und im Anschluss einen Dessertwein in Rot. War auch lecker, aber sehr schwer. Wir erkundigten uns nach dem Preis, des ersten Weines den wir getestet hatten und waren überrascht das eine Flasche nur 16 AUD kosten sollte. Der Wein war wirklich um Längen besser und günstiger als der von Murray. Wir tauschten auch Daten aus und sie meinte meldet euch im April im Moment ist leider nichts. Weiter geht’s das nächste Gut lag auf einem Berg, von wo aus man einen super Blick ins Umland hatte, die Inhaberin notierte leider auch nur Namen und Nummer, meinte aber ab Mittwoch oder Donnerstag könnten wir evtl. starten, besser als nichts. Auf dem Weg zum nächsten Weingut, sahen wir eine verletzte Schlange auf der Straße liegen, war unsere erste und hoffentlich einzigste, die wir bisher so aus der Nähe in freier Wildbahn gesehen haben. Das Weingut gehört einem Franzosen der auch schielte, aber total lustig und sympathisch war, dieser erntet leider mit der Maschine, meinte aber auch lasst mal Eckdaten da, vielleicht habe ich ja doch was, ich mag Deutsche. Unser Weinführer hier aus der Gegend führte uns zu einem Weingut, welches mit einem total gepflegten Garten, wirklich wie geleckt war, die Weinstube war auch sehr geschmackvoll und sauber eingerichtet und ein älterer Mann dort nahm auch unsere Daten auf. Er war total nett und angetan sagte, dass es auch bei ihm noch etwas dauert, aber die Nachbarin könnte in den nächsten Tagen starten, er oder sie würden sich die Tage melden. Wir waren noch bei einem weiteren Weingut dort bekamen wir die Nummer von einem Vermittler, mal sehen ob dieser helfen kann.
Nach so viel rumfragen und erzählen, wollten wir noch was Schönes an unserem freien Sonntag machen und entschieden uns, an den See Canobolas zu fahren. Er lud nicht wirklich zum Spazieren ein, so liefen wir nur ein paar Schritte wo eine Wasserschleuse war, von dort sah man auch eine überflutete Straße. Was gibt’s hier noch so zu sehen? Wir entschlossen uns noch auf den nahe gelegenen Berg Canobolas zu fahren. Der alte Van, quälte sich die knapp 1400 Meter nur mühsam nach oben und der Ausblick lohnte sich nicht so wirklich aber wir waren oben. Man hätte von dort einige Buschwanderungen unternehmen können, da es aber schon wieder 18 Uhr war entschieden wir uns dagegen. Also wieder runter und zurück zum Weingut.
Montag verbrachten wir sogar 7 ½ Stunden auf dem Feld, da Murray diese Sorte fertig haben wollte. Er organisierte uns noch für den nächsten Morgen einen Pickerjob bei einem befreundeten Winzer. Wir machten mit den zwei Jungs aus, dass wir gerne mit ihnen in ihrem Auto zu diesem Winzer fahren würden, kein Problem meinten sie. An diesem Abend gings ziemlich früh ins Bett, da wir diesen Winzer morgens um 7 Uhr an irgendeiner Ecke treffen sollten.
Gegen 5. 50 klingelte der Wecker, das war echt hart und hatten wir ja auch ewig nicht mehr, aber wir wollten arbeiten, also raus aus dem kuscheligen Schlafsack. Um 6. 45 Uhr verließen wir Murrays Gelände und fuhren zu dem verabredeten Treffpunkt. Dort trafen wir auf Llyod, der uns kurz den Weg zu seinem Acker erklärte und meinte er muss noch hier warten, es kommt noch eine andere Gruppe Picker. Weiter gings, zielstrebig aber leider falsch fuhren wir auf das Gelände eines ziemlichen Bonzen Hauses. Sie hatten sogar einen Anbau, der wie ein eckiger Turm, nochmal 15 Meter in die Höhe ging, ein offenes, riesiges Wohnzimmer und einen eigenen Tennisplatz. Nachdem Miles jemand aus dem Haus befragt hatte war klar, wir sind falsch. Nur gut das die zwei Native Speaker die Beschreibung von Llyod auch nicht ganz verstanden hatten. Nachdem wir dann nochmal 10 Minuten über irgendwelche Feldstraßen irrten, kamen wir letztendlich doch zu den Weinfeldern. Dort warteten ein Traktorfahrer und ein älterer Mann, wir wollten keine Zeit verlieren und gleich loslegen. Der Traktorfahrer sagte dann nur, er hat keine Ahnung wo gepickt wird, wir müssen auf Llyod warten. Ungefähr 10 Minuten später kam er angefahren ihm folgten 8 Autos, die alle mit Asiaten besetzt waren.
Wir bekamen eine kurze Erklärung, welche Trauben er im Eimer möchte, dann hieß es los geht’s. Es waren immer 6 Leute in einer Reihe und egal wohin man blickte überall diese Asiaten. Man hätte echt meinen können, man wäre schon in Asien, da sie ja auch alle untereinander kein Englisch gesprochen haben. Es waren wirklich schlechte Trauben, viel von den Vögeln, kaputt gepickt und es hieß immer nur schnell, schnell, der Truck kommt und muss dann wieder pünktlich nach Queens Land rüberfahren. Die zwei Vermittler die vor Ort waren, liefen Kontrolle durch die Reihen und meinten es wäre zu viel hängengelassen worden, so mussten wir noch einmal die Reihen ablaufen und pflückten echt jeden Scheiß in die Eimer rein. Was angenehm war, es gab sogenannte Bucket Boys, die immer dafür sorgten, dass der volle Eimer möglichst schnell in den Anhänger des Traktors kam. Es war ziemliches Chaos und unserer Meinung nach waren es viel zu viele Leute, aber das konnte man dann gleich für sich nutzen und mit der Masse schwimmen ohne sich kaputt zu arbeiten. Nach 4 Stunden war alles vorbei. Llyod meinte wir können fahren, er bringt das Geld in einer Stunde zu Murray. Also zurück zu Murray, die zwei Jungs machten sich frisch, packten ihren ganzen Kram ins Auto, sie werden auf die Farm von der sie kamen zurückfahren um dort Schafen den Arsch zu scheren, damit sie nicht so schmutzig sind. Ja dann mal viel Spaß.
Llyod kam wie versprochen vorbei und drückte Miles einen Batzen Geld in die Hand und meinte verteile das, jeder von euch hat 60 AUD verdient. Miles hielt total verwirrt die Scheine und zählte und zählte nochmal, dann meinte er ganz leise zu uns, er hat mit 320 AUD gegeben. Wir schwiegen, teilten das Geld auf und dachten uns da ist man doch heute Morgen gerne mitten in der Nacht aufgestanden evtl. war das ja unser Europäer Bonus :-).
Murray kam auch noch und meinte er bezahlt uns heute auch aus, er hat das Geld cash da. Somit haben wir im Moment eine riesen Scheinsammlung bei uns im Van, müssen morgen unbedingt auf die Bank und es einzahlen. Er eröffnete uns dann gleich noch, dass er für die nächsten zwei Wochen keine Arbeit für uns haben werde, das brachte uns natürlich dann gleich wieder nach dem Geldregen runter. Dachten ja es wären ein paar Tage, aber zwei Wochen, es ist hier alles mit dem Arbeiten zum kotzen. Setzten uns gleich an den PC und durchforsteten die Anzeigen. Wir teilten ihm mit, dass wir noch eine Nacht hier verbringen wollen, am nächsten Morgen dann fahren würden, geht klar meinte er nur. Werden dann erst mal auf den kleinen Campingplatz in Molong für eine Nacht fahren, um mal wieder günstig zu waschen. Hoffen das es dann zum Ende der Woche ein Jobangebot gibt. Ob wir dann aber nochmal hier zu Murray zurückkommen ist im Moment fraglich.
Der Aufenthalt in Molong war wieder lohnend, alles frisch gewaschen und sogar noch einen Arbeitstipp bekommen. Die Besitzerin des Campingplatzes meinte, dass es hier auch nicht wirklich Arbeit gibt. Aber ein älterer Herr der dort auch übernachtete meinte, es ist doch gerade Apfelsasion probiert doch da mal euer Glück. Die Leute neben euch sind übrigens auch Apfelpicker, fragt auch da mal nach. Wir entschieden uns zuerst fürs Internet, da die Nachbarn auch noch gar nicht da waren. Der erste Anruf war ein Treffer eine Apfelfarm in der Nähe und der Besitzer Grayham meinte kommt doch morgen um 7.30 Uhr an meinen Obstgarten und dann geht’s los. Super Lückenfüller gefunden nur mal sehen ob uns das zu sagt.
Gegen 18 Uhr sprachen wir auch noch mit unseren Platznachbarn übers Picken, auch sie gaben uns gleich die Nummer ihres Chefs, meinten aber, dass jetzt ab nächster Woche erst mal eine Pause angesagt ist. Es stellte sich auch heraus, dass sie auch nur per Bin bezahlt werden und sogar 5 AUD weniger bekommen als wir morgen bei diesem Grayham, aber wir haben wieder eine Kontaktnummer. Müssen noch kurz über diese Nachbarn schreiben, es ist unglaublich wir dachten, dass wären ganz normale Reisende, aber nein es waren 60 Jährige Leute die Äpfel pflücken und auf nem Campingplatz in einem Wohnwagen leben, aber trotzdem reisen. In diesem Alter sich noch so was an zu tun, vom pflücken mal ganz abgesehen.
Wir mussten am nächsten morgen früh raus, da wir ja um 7.30 Uhr verabredet waren, also klingelte der Wecker gegen 6. 10, es war wieder mal noch total dunkel draußen, doch als wir um 7 Uhr den Campingplatz verlassen haben wurde es hell und man konnte schon die Sonne hinter den Wolken sehen. Die älteren Leute waren natürlich schon gegen 6.30 Uhr raus auf den Apfelacker gefahren.
Wir fanden das Gelände auf Anhieb, es gibt dort einen kleinen Bauernladen wo man allerlei Obst und Gemüse kaufen kann, sowie Getränke, Eis und Süßigkeiten. Dort fragten wir nach Grayham, der nette alte Mann darin meinte nur, der ist nicht da, aber ich ruf ihn mal an. Während er telefonierte, kam ein weiteres Pärchen in den Laden die Arbeit suchten. Nach 5 Minuten meinte er fahrt mir hinterher, ich bring euch auf das Gelände. Draußen auf dem Hof wartete ein weiteres Pärchen, das auch mit Grayham verabredet war. Also fuhren wir Kolonne an die Apfelfarm. Dort angekommen wurden wir Rob vorgestellt, der Supervisior (Vorgesetzter) hier. Das eine Pärchen was nach Arbeit suchte wurde weggeschickt, da sie jetzt genug Leute hier haben, schade sahen sehr sympathisch aus. Lukas wurde kurz der Traktor erklärt, dann gings in die Apfelreihen. An dem Traktor hängen 2 Anhänger in die wir die geernteten Äpfel füllen sollen. Wenn so einer voll ist haben wir 30 AUD verdient. Wir beide bekamen eine Tasche, die über den Rücken geschnürt wird, in die man die Äpfel vom Baum reinpflückt um dann zum Hänger zu transportieren. Die Schwierigkeit bei den Äpfeln liegt in den Stängeln, die sollen nach Möglichkeit nämlich am Apfel bleiben, bei uns blieben aber leider viele am Ast. Wir gaben uns wirklich Mühe aber es funktionierte nicht so gut, wir pflückten und pflückten, dachten erst, ok das werden wir nicht lange machen der Anhänger wird ja gar nicht voll, aber die ersten 2 Hänger waren gegen 10 Uhr gefüllt. Es lief also gar nicht so schlecht. Wir hatten bis um 14 Uhr 6 Hänger voll, das war wirklich gut denn man verliert etwas Zeit durch das wegfahren der vollen Hänger und abladen und dann wieder neue leere Hänger ankuppeln.
Nach einer kurzen Mittagspause machten wir noch 2 Bins voll und als wir gegen 16 Uhr aufhörten, waren wir die Einzigsten die überhaupt so lange gearbeitet hatten, bis auf das französische Pärchen, die waren aber irgendwo anders auf dem Feld. Sie kamen gegen 17. 30 Uhr ziemlich fertig wieder bei uns auf dem Platz an und hatten gerade mal 6 Bins geschafft.
Diese Arbeit ist etwas mehr nach unserem Geschmack, da im Endeffekt jeder hier tun und lassen kann was er möchte. Es liegt bei dir wann du anfängst, wie lange und wie oft du Pause machst und auch das aufhören ist hier alles deine Entscheidung. Am Freitag den zweiten Tag hier haben wir auch wieder 8 Bins geschafft, wollten noch eine weitere machen, doch Rob meinte genug für heute, freitags könnt ihr nicht so lange arbeiten, da die Äpfel ins Kühlhaus weggefahren werden müssen, da hier Samstags immer alles zu ist, also für uns frei. So werden wir am Sonntag wieder in die Apfelplantagen starten.